Ein ganzes Universum
Bilder aus Bergamo haben sich im Frühjahr 2020 in unser Gedächtnis eingeschrieben als Emblem der Schrecken im Zeichen von Covid-19. Insofern erscheinen zwei Videomitschnitte aus der Heimat Gaetano Donizettis heute fast wie aus der Zeit gefallen. Wenige Wochen zuvor, im November 2019, waren dort beim Festival eine kaum bekannte Opera buffa und eine der wichtigsten Opern Donizettis zu sehen.
In «Pietro il Grande» geht es um den gleichen Zaren wie in Lortzings Dauerbrenner «Zar und Zimmermann», freilich nicht um die Eskapaden des russischen Kaisers in den Niederlanden – diesen Stoff sollte Donizetti acht Jahre später für Neapel als «Il borgomastro di Saardam» komponieren. 1819, in der venezianischen Oper des 22-Jährigen, sucht der Zar in Livland nach dem Bruder seiner Frau. Einige politische Verwicklungen spielen auf den ukrainischen Rebellen Mazepa an, und die auch hier präsente Knallcharge eines Bürgermeisters wird zum guten Schluss vom Zaren aus dem Amt gejagt, obwohl die baltischen Staaten damals noch unter schwedischer Herrschaft standen (historische Akkuratesse spielt auch in diesem Libretto keine Rolle).
Anderthalb Jahrzehnte nach dem 2004 aufgenommenen CD-Mitschnitt mit Vito ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Anselm Gerhard
Ein problematischer Stoff: Eine Frau lebt sich aus, ein Mann verfällt ihr, riskiert für Sex und Liebe seine berufliche Existenz – und am Ende bezahlt sie, die nach Freiheit strebende, durchaus für körperliche Auseinandersetzungen zu habende (halb-)kriminelle Nomadin, mit ihrem Leben. Denn – das ist der Kniff an der Handlung von «Carmen» – ihr Ruf muss nicht erst...
Diese Aufführung ist ein Angriff auf alle Sinne. Wer Bertolt Brechts Lehrstück aus dem Jahr 1939 für politisch überholt und seine Vertonung durch Paul Dessau aus dem Jahr 1951 für musikalisch blass hielt, wird durch die Stuttgarter Inszenierung eines Besseren belehrt. Aktuell ist «Die Verurteilung des Lukullus», die bei ihrer Uraufführung an der Ost-Berliner...
Helene Berg gehörte noch zu jenen Künstlergattinnen, die, wie Cosima Wagner oder Alma Mahler, ihren Männern jene Ruhe und Ordnung boten, die diese für ihr Schaffen brauchten. «Ich lösche mich aus und will nur für Dich da sein.» An das am Vorabend der Hochzeit mit einem «Amen» schriftlich bekräftigte Versprechen hielt Helene Nahowski, eine natürliche Tochter Kaiser...
