Auferstanden
Wie kein anderes italienisches Haus setzt das Teatro Regio in Parma auf szenische Vielfalt. Sieben Monate nach Graham Vicks hochkontroversem neuem «Stiffelio» läuft jetzt die «Tosca»-Inszenierung von Alberto Fassini (genau wie Scarpia ein sizilianischer Baron, apropos Wahlverwandtschaften), die seit ihrer Premiere 1999 Kultstatus genießt.
Wir haben die Produktion erstmals 2002 in der Tokioter NHK Hall gesehen – vor einem bestürzten Publikum, das mit Regietheater noch keine Erfahrung hatte.
Was für ein Schock damals die güldene Prozession, die über den verzerrten Gewölben von Sant’Andrea della Valle schwebt! Die verqueren Treppen, das riesige Fenster des Palazzo Farnese, der sechs Meter hohe, graue Erzengel zwischen Krieger und pausbäckigem Epheben! Expressionistische Albträume im Dr. Caligari-Stil, in deren Schatten die Menschengestalten bei ihrem Treiben – Politik, Liebe, Verrat, Verbrechen – winzig wie Ameisen wirken.
Spielt die Handlung 1800 oder zu irgendeiner anderen Zeit? Der Abend war eine Lehrstunde der Geschichtsentfremdung jenseits diverser Theatertraditionen, die später etwa in Eimuntas Nekrosius’ denkwürdigem «Boris Godunow» ihren Widerhall fanden. Nach Fassinis Tod ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Carlo Vitali
Vielleicht lag es an der Komplexität der Partitur, vielleicht am Zeitpunkt der Pariser Uraufführung 1936, wenige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Vielleicht lag es aber daran, dass Georges Enescu nicht die Bedeutung zukam, die er als Komponist verdient hätte. «Oedipe» jedenfalls, seine einzige Oper, schaffte es nie in den Kanon. In Deutschland wurde das Werk erst...
«Gloriana» – so bejubelten die Untertanen ihre Königin Elisabeth I. nach dem Sieg der englischen Flotte über die Große Armada der Spanier anno 1588. Doch Elisabeths Alltag war wenig glorreich: Umgeben von
intriganten Höflingen, innerlich zerrissen, galt ihre Zuneigung dem drei Jahrzehnte jüngeren Robert Devereux. Dass der Graf von Essex ihr Günstling war, ist...
59. Jahrgang, Nr 6
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