Inbegriff der Ars Gallica
Régine Crespin (1927-2007) war die bedeutendste französische Sopranistin der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Warner Classics erinnert an sie mit einer umfangreichen CD-Kollektion, die Aufnahmen aus den Jahren 1958 bis 1976 bündelt – Arien und Szenen aus Opern Verdis, Wagners, Massenets und Puccinis, Offenbach-Operetten und einer reichen Liedauswahl, die von Berlioz bis Poulenc reicht.
Crespin besaß eine lyrische Stimme von exquisitem Timbre und war mit ihrer Legatokultur, ihrer eloquenten Deklamation, ihrem gestalterischen Feinschliff und ihrem Gespür für atmosphärische Valeurs der Inbegriff der vokalen ars gallica. Als dramatische Verdi- oder Puccini-Interpretin kann und will sie mit der eruptiven Tigerin Maria Callas nicht konkurrieren, sondern verlässt sich auch als Lady Macbeth oder Tosca ganz auf die Schönheit ihrer Stimme. Von den hier enthaltenen Wagner-Aufnahmen überzeugen am meisten die träumerischen «Wesendonck-Lieder», während die Ausschnitte aus «Tannhäuser», «Walküre» und «Parsifal» bereits ahnen lassen, dass sie die hochdramatische Brünnhilden-Partie, die sie 1968 auf Wunsch Karajans übernahm, in eine Stimmkrise führen wird, die sie niemals ganz überwinden ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Uwe Schweikert
59. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752312
Redaktion Opernwelt
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Andrea Kaiser...
Darf ein Countertenor Rossini singen? Die Frage ist so sinnvoll oder so sinnlos wie die nach Bach auf dem Steinway oder – vermutlich hier treffender – die nach Schubert auf dem Cembalo. Natürlich darf er, wenn das künstlerische Resultat überzeugt. Max Emanuel Cenčić überzeugt in den beiden Arien des Malcolm aus Rossinis «La donna del lago», die er schon 2007 auf CD...
Die Tenor-Partien seiner 29 Opern hat Giuseppe Verdi für 21 Sänger geschrieben. Sein erster Favorit war Gaetano Fraschini, vom Typus her wohl ein lirico-spinto, ähnlich wie Raffaele Mirate, der erste Manrico. Für Alvaro fand er in Enrico Tamberlik einen echten spinto, während er aus der Partie des Don Carlos eine Arie streichen musste, um Jean Morère seine Aufgabe...
