Editorial Juni 2017

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Der Name klingt lustig, irgendwie nach einer Dose für Lutschbonbons. Tatsächlich aber ist eine Dropbox ein externer Datenspeicher. Jochen Schönleber, Intendant der Rossini-Festspiele in Bad Wildbad, war so unklug, an einem solchen Aufbewahrungsort im Netz lose gereihte Sätze, Satzfetzen, einzelne Wörter abzulegen, die, wie er selbst sagt, für niemanden außer ihn selbst zugänglich sein sollten. Wurden sie aber, aufgrund eines Versehens. Und so kam ans Licht, welcher Art die Bemerkungen waren, die er bei Vorsingen in Wien und Berlin notiert hatte.

Neben künstlerischen Einschätzungen fanden sich dort wenig schmeichelhafte, geschweige denn respektvolle Urteile zum äußeren Erscheinungsbild der Kandidaten, vor allem der weiblichen («enormer Hintern», «Puppi mit langem blondem Haar», «Waldschrat, ... leicht trampelig», «eigenartig gebärfreudiges Becken»); ausnahmslos mit Klarnamen, die wenig später auf Facebook auftauchten. Nicht nur bei den Betroffenen war die Empörung groß. Und in der Tat stellt sich hier die Frage: Ist es bloß ein Ausrutscher, wenn sich ein Intendant, der nach eigenem Verständnis in erster Linie Sorge für den talentierten Sängernachwuchs trägt, derart im Ton vergreift? ...

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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten & Albrecht Thiemann

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