Editorial Dezember 2021
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich bin gerne im Ruhrgebiet unterwegs. Über die spezielle «Schönheit» dieses «Landstrichs» brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Nur so viel: Es gibt auch hier Schönheit(en)!
Neulich war ich aus diesen und anderen (ja, richtig: beruflichen!) Gründen in Gelsenkirchen, bei einem «Otello» von Rossini am Musiktheater im Revier.
Wie stolz diese Stadt auf ihr Theater ist (wenn es schon mit dem dortigen Bundesligaklub eher mau läuft)! Recht so! In der Pause traf ich allerdings einen Kollegen, der ganz nachdenklich war. Seit die Pandemie-Beschränkungen uns wieder Teilhabe an der Live-Kultur ermöglichen, so konstatierte er, habe er das Gefühl, dass bei Freundinnen und Freunden der Oper im Rahmen ihrer jetzigen Kulturausflüge eine Ernüchterung eingetreten sei. Ehrlicher ausgedrückt (denn wir sind ja im Ruhrgebiet): Das Regietheater gehe ihm selbst so auf den Geist – und die Leute würden das auch endlich kapieren!
Nun, ich bin da etwas anderer Meinung. Denn just kam ich doch aus Bremen nach Gelsenkirchen angereist. Und was ich angesichts von Ulrike Schwabs Inszenierung von Leoncavallos «Pagliacci» am Theater Bremen erleben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Arno Lücker
Ein Mensch, allein wie weiland Ariadne auf Naxos, fremd geworden unter Menschen, nach Heimat suchend unter Tieren und Pflanzen. Vermag ihm die Natur zu antworten oder nicht? Für diese zwiespältige Erfahrung halten viele musikalische Werke eine starke Übersetzung bereit: den Dialog zwischen der menschlichen Stimme und einem Instrument, das, ebenso wie die Natur,...
Die «Années folles», die Roaring Twenties nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bescherten mit ihrer Invasion des Jazz und der amerikanischen Motorik auch der französischen Operette eine letzte Blüte. Selbst für den graziös-eleganten Stil der älteren Meister wie Reynaldo Hahn oder André Messager, dessen comédie musicale «Passionnément» aus dem Jahr 1927 soeben in der...
Über Jesus Christus und Richard Wagner, heißt es, seien so viele Texte geschrieben worden wie sonst über keine anderen historischen Figuren. Ob das stimmt, bleibe dahingestellt. Aber als Religionsstifter eigener Art hat Wagner jedenfalls durchaus fungiert. Entsprechend polarisierend war die Rezeption zwischen Verklärung und Verteufelung von der Mitte des...
