Der geweitete Blick
Ein Tisch ist ein Tisch ist ein Tisch? Nun ja, manchmal ist ein Tisch nicht mehr als ein bemühtes Requisit, hier aber ist er ein Füllhorn an Geschichte(n). An diesem Tisch (graues Resopal) haben sich Tragödien ereignet, individuelle, familiäre, gesellschaftliche; Tragödien, die stets am Rande der Groteske wohnen und doch tief ins Innere der Protagonisten blicken lassen, wo die allzu täglichen Qualen wohnen.
Also legt sie mächtig los, die Dame in ihrem strengen Faltenrock und züchtig dekolletierter Bluse.
Klappt das (imaginäre) Familienalbum, das sie mit sich herumträgt im blondbesträhnten Kopf, weiträumig auf, entblättert all ihren Kummer und Zorn. Binnen Minuten schrumpft die heilige Konstellation zu einem Kosmos aus Katastrophen, Klüngeleien und Komödien, die sich einst an diesem oder einem anderen Tisch wohl abgespielt haben mögen. Wie die Schauspielerin Annedore Kleist das auf der kongenialen, zu einer Garage sich schichtenden Projektionswände-Bühne von Oliver Proske vermittelt, ist nicht nur herrlich komisch. Es ist zugleich so unendlich traurig. Die Zwiebel, gehäutet, legt einen erschütterten Kern frei, und selbst die meist sanft-untergründige Musik vermag ihn nicht mehr ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
Scott, man beschreibt Dich als «Verdi-Bariton». Ich habe aber auch schon «Texas-Bariton» gehört. Du magst keine Labels, oder?
Ich bin stolz, Texaner zu sein. Aber «Texas-Bariton»? Die Kollegin aus München ist ja auch kein «Bayerischer Sopran», der Typ aus Tulsa kein «Oklahoma-Bass». «Texas-Bariton» klingt, als käme ich lassoschwingend zu Pferde daher. So ein...
Das Werk ist monströs, fast 2000 Seiten lang. Brecht rühmte es als «Triumph des neuen Typs eingreifender Dichtung» – zu Recht: Mit seinem vierbändigen Revolutionsroman «November 1918» schuf Alfred Döblin ein Totalgemälde der deutschen Gesellschaft, darin sich der Konflikt zwischen radikal-aufrührerischem Marxismus und mystischem Christentum ebenso abbildet wie das...
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