Editorial August 2021

Opernwelt - Logo

Der Abschied war, im ursprünglichsten Sinne des Wortes: fürstlich. Gefeiert wurde er mit einer Gala, einem opulenten Bildband (dessen Titel «Zur Freude und Erhebung» in überschaubarer Bescheidenheit die in goldenen Lettern auf dem Giebel des Meininger Theaters verewigte Huldigung an Herzog Georg II. zitiert, der den Musentempel vor gut 200 Jahren gegründet hatte) sowie einer «Theater-Schau-Meile» in der Innenstadt.

Ja, so kann man abtreten, mit Pomp and Circumstances, und das ließ sich Ansgar Haag, der 16 Spielzeiten lang die Geschicke des Staatstheaters Meiningen leitete, schlichtweg nicht nehmen. Auch sein Kollege Thomas Bockelmann – er stand noch ein Jahr länger an der Spitze des Staatstheaters Kassel – nutzte die Gelegenheit der altersbedingten Demission dazu, eine Publikation in Auftrag zu geben, die sein Wirken würdigte.

Nun gehen sie in den verdienten Ruhestand, und natürlich fällt einem dazu Loges maliziöser «Rheingold»-Kommentar ein («Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen»). Eines indes muss man beiden Intendanten lassen: Sie hinterlassen gut bestellte Häuser mit einem begeisterungsfähigen Stammpublikum, gefestigter Struktur und ausgeglichenem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2021
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Apropos... Frauen in Führungspositionen

Frau Stone, während Ihrer gesamten Theaterlaufbahn haben Sie erlebt, dass Sie nicht nur als Führungskraft, sondern immer auch als Frau wahrgenommen wurden. Wie sind Sie damit umgegangen?
Anfangs musste ich mich schon behaupten. Als ich in Köln Operndirektorin war, haben die Herren in den Sitzungen der Deutschen Opernkonferenz kaum mit mir und Pamela Rosenberg, der...

Scham und Schändung

Zwangsherrschaft à la Scarpia ist ohne kirchlichen Segen nicht denkbar, die unheilvolle Allianz von politischer und religiöser Unterdrückung mündet geradewegs in eine mit sexuellen Obsessionen angefüllte Folterkammer – wie jenen kurzlebigen faschistischen Reststaat von Salò, den wir aus Pier Paolo Pasolinis Film «Die 120 Tage von Sodom» kennen.

Das jedenfalls ist...

Zuletzt Hoffnung

Fangen wir ganz weit vorne an. Bei Orpheus, dem Ur-Sänger. Orpheus erhob seine Stimme, um die Götter zu besänftigen, er wollte seine geliebte Eurydike zurück, die im Totenreich weinte. Was er mit seiner Stimme und der Lyra vermochte, vergeigte der Sehnende allerdings durch seinen Argwohn. Weil er der Kraft der vokalen Überwältigung misstraute, schaute Orpheus sich...