Editorial
So viel Lärm um Glyndebourne war wohl nie. Wie Donnerhall dröhnte es nach der ersten Premiere dieses Jahres über den lieblichen South Downs. Nicht, dass das seit 1934 auf einem Landgut in East Sussex veranstaltete Opernfestival seinen in Frack und Abendrobe anreisenden Habitués mit einem kühnen Programm zur 80. Sommersaison das Champagner-Picknick auf der Wiese verhagelt hätte. Nicht, weil Robin Ticciati mit seinem ersten Dirigat als Musical Director den neuen «Rosenkavalier» ramponiert oder Richard Jones ihn mit seiner ersten Strauss-Inszenierung britpopmäßig verblasen hätte.
Auch das singende Personal gab keinen Anlass zu heftigen Beschwerden – ums Singen ging es am wenigsten, als Kritiker renommierter britischer Tageszeitungen sich auf die irische Mezzosopranistin Tara Erraught einschossen. Mit despektierlichen Bemerkungen über deren körperliche Statur: «Plump» und «unansehnlich» sei das Wesen, das im Festspielhaus den Octavian gebe, ein «Bündel Babyspeck» ohne jede erotische Ausstrahlung. Eine Fehlbesetzung, befanden die Herren und wollten schon zur Tagesordnung übergehen, als ein Entrüstungssturm ausbrach, der quer durch Europa und bis nach Amerika fegte. Und das ist gut so.
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Alles auf Anfang. Es ist, als werde in Zürich die Erfindung der Oper anhand eines der frühesten Exemplare des Genres nachgestellt. Stockdunkel das Haus. Aus der Düsternis heraus beginnt eine der drei Chitarronen, die zuvor riesenhaft aus dem Graben auf die Bühne ragten, zu fantasieren. La Scintilla, diesmal nur 16 Köpfe stark, tastet sich – immer noch kein Licht –...
Französische Operette, das ist in Deutschland fast immer Jacques Offenbach. Der aber war ja eigentlich Kölner und starb bereits 1880, als das Genre stilistisch gerade in voller Blüte stand. Zu Offenbachs Zeit war aber auch ein gewisser Florimond Ronger, genannt Hervé, sehr beliebt, zu dessen bekanntesten Stücken «Le petit Faust» und «Mam’zelle Nitouche» gehören....
Blumentapete? Die Marschallin hält in stilisiert neoklassizistischen Gemächern Hof. So könnte heute ein Design-Hotel aussehen. Die pastellfarbenen Wände tragen großformatige Lilien – ein Adelssignet. Sophies Zimmer hat Paul Steinberg ebenfalls floral dekoriert, diesmal bürgerlicher, Richtung Jugendstil. Blumen auch im Beisl: ein psychedelisches 60er-Jahre-Muster....
