Editorial
Rollendebüts sind keine Sache, die man allzu hoch hängen muss. Oft sind sie heute nur Teil einer PR-Masche. Sängerinnen und Sänger werden in der Regel besser, wenn sie ein Stück mehrfach gemacht haben. Deshalb gab es einmal den Weg von der Provinz (wo man Partien ausprobierte, sie eroberte oder eben wieder ablegte) zu mittleren und dann zu großen Häusern. In Berlin, Hamburg oder München waren Rollendebüts selten – und im Grunde sogar unerwünscht. Dort sollte Ausgereiftes präsentiert werden. Dasselbe gilt natürlich für Dirigenten.
Herbert von Karajan sprach es ganz offen aus: Mindestens zwanzigmal müsse man ein Stück dirigieren, dann erst bekomme man ein Gefühl dafür und die Interpretation ein Gesicht. Tempi passati. Zu ihnen gehörte auch, dass Häuser, Festspiele und nicht zuletzt das Publikum am einmal als (be)zwingend erachteten Niveau festhielten. Wie lange hieß die Susanna aller großen Häuser Edith Mathis? Wie viele Sommer hat Dietrich Fischer-Dieskau den Grafen Almaviva in Salzburg gesungen? Wie lange war Hans Sotin der Gurnemanz in Bayreuth? Das Neue blieb eine Sache der Nuancen. Die Wachheit galt winzigen Veränderungen des Reifegrades.
Heute trifft das nur noch in ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
Denkbar unspektakulär, das Ganze. Einfach nah an Wort und Musik. Leicht stilisiert, immer aus der Körpersprache der Figuren lebend, Farben und Gesten genau setzend. So wie Christof Loy seit Jahren (fast) immer arbeitet. Bei seinem Berlin-Debüt hat der knapp fünfzigjährige Regisseur damit jetzt Ovationen ausgelöst, wie sie in Opernhäusern der Hauptstadt lange nicht...
Am Dortmunder Opernhaus hat der neue Intendant Jens-Daniel Herzog kein leichtes Erbe angetreten: Die ohnehin katastrophal schlechte Auslastung stürzte in seiner Vorbereitungszeit, in der das Haus nach Christine Mielitz’ vorzeitigem Abgang ohne Führung war, ins Bodenlose ab. Das Dortmunder Publikum schien das Interesse an seinem Opernhaus gänzlich verloren zu haben....
Es war eine Zufallsbegegnung, die Henri Dutilleux und Renée Fleming in einem Studio von Radio France zusammenführte und die Idee einer Auftragsarbeit zeitigte. Geraume Zeit später wurde die Sängerin für die Uraufführung von «Le Temps l’horloge» eingeladen, in der ersten Version drei Lieder, die im Dezember 2006 unter James Levine uraufgeführt wurden. Die Endfassung...
