Editorial
Eigentlich liegt die Passionszeit hinter uns. Eigentlich sollten wir uns mit freiem Blick und geläutertem Herzen auf das Pfingstwunder freuen. Auf jene magische Geschichte vom Heiligen Geist, der in die Jünger fährt und ihnen die Gabe verleiht, sich in allen Sprachen zu verständigen. Doch was der Kirchenkalender verkündet, gilt schon längst nicht mehr für die irdische Zeit. Der Glaube an Wunder ist uns im Alltag des 21. Jahrhunderts abhanden gekommen. Auch weil wir schlechte Erfahrungen mit Propheten gemacht haben, die uns das Blaue vom Himmel versprachen.
Für die Wuppertaler Bühnen hat die Passionszeit erst begonnen. Um zwei Millionen Euro will die überschuldete Stadt die Zuschüsse bis 2014 kürzen und ihr Schauspielhaus schließen. Die bisher geplante Sanierung des Gebäudes in Elberfeld soll aufgegeben, der Zweispartenbetrieb im vorbildlich renovierten Opernhaus in Barmen (siehe OW 2/2009) zusammengezogen werden. Schon ab 2012 müssten sich Oper und Schauspiel die einzige verbleibende Bühne mit dem von Pina Bausch bis zu ihrem Tode geleiteten Tanzensemble teilen, das in eine GmbH ausgegliedert ist. Auf 8,6 Millionen Euro will die Stadt ihr Engagement innerhalb von vier Jahren ...
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Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Editorial Mai 2010, Seite 1
von Stephan Mösch/Albrecht Thiemann
Wie für viele deutsche Theater traf auch für die Dresdner Semperoper der Begriff «Stunde null» nicht nur in ideologischem, sondern auch in ganz praktischem Sinn zu. Die Staatskapelle war in den nahen Kurort Bad Brambach evakuiert worden, die Sänger waren in alle Winde zerstreut, und selbst ein intaktes Ensemble hätte sich in der zerstörten Stadt zunächst einmal...
Das ging den New Yorker Verlegern und Broadway-Produzenten dann doch etwas zu weit: Ein Neger will eine Oper schreiben! Sicher, 1911 war Scott Joplin ein national bekannter Pianist, der «King of Ragtime», der mit «The Entertainer» oder dem «Maple Leaf Rag» echte Hits gelandet hatte – doch für den Vorstoß eines Farbigen ins seriöse Musiktheater-Genre war die Zeit...
Offenbach – das ist selbst für Fachleute immer noch allein der Schöpfer des «Hoffmann» und der Offenbachiade, der satirischen Operette. Erst allmählich dämmert es, dass sein neben vielem anderen über 110 Bühnenwerke verzeichnender Œuvre-Katalog (die zum Teil erheblich abweichenden Zweit- und Drittfassungen einzelner Werke nicht mitgezählt) von einer ungeahnten...
