Editorial

Opernwelt - Logo

In seiner Schrift «Werk und Wiedergabe» von 1929 schimpfte Hans Pfitzner gegen gewissenlose «Spielleiter», die den Geist der «Meisterwerke» verfälschen würden. Es gebe eine klare Hierarchie zwischen schaffenden und nachschaffenden Künstlern; ein «schöpferischer Interpret» sei ein Widerspruch in sich selbst. Das Schlagwort hieß damals «Klassikertod».

Einige Jahre vorher hatte Max Reinhardt etwas ganz anderes gefordert: Man müsse die alten Stücke «mit derselben Frische und Unbekümmertheit anpacken, wie wenn es neue Stücke wären, man muss sie aus dem Geiste unserer Zeit begreifen, mit den Mitteln des Theaters von heute». Die Debatte ist so alt, wie es Regie im modernen Sinn gibt. Und manchmal, wie jetzt, wo der Schriftsteller Daniel Kehlmann die Salzburger Festspiele mit einer Polemik gegen das sogenannte Regietheater eröffnete, scheint es, als sei sie über die alten Gräben kaum hinausgekommen.
Max Reinhardt traf den Kern. Weil es (damals wie heute) um den «Geist unserer Zeit» geht, kochen die Emotionen. Diskutiert wird weniger Ästhetisches als Grundsätzliches: Vertrauen, Willkür, Treue, Egomanie, Liebe. Was Respekt und
Respektlosigkeit gegenüber den «Meisterwerken» betrifft, ist die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch,Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus der Fülle

Auch wenn man diese «Parsifal»-Inszenierung zum zweiten Mal erlebt, kann nur ein Bruchteil der ständig flutenden Bilder im Gedächtnis bleiben. Die Zeitreise von der Uraufführung 1882 bis in Adenauers Bundestag ist klarer geworden (sie ist in diesem Jahr durch Flüchtlinge ergänzt, die nach «Ich sah ihn und lachte...» von NS-Soldaten weggeführt werden). Doch sie...

Salzburg in New Mexiko

Als der Dirigent John Crosby (der unter anderem bei Paul Hindemith in Yale studierte) Mitte der 1950er Jahre in der Wüste New Mexicos, ein paar Kilometer außerhalb von Santa Fe, eine Schweinefarm kaufte, wusste er genau, was er wollte. Der passionierte Opernfan ließ dort ein Freilufttheater mit atemberaubendem Blick auf die Jemez Mountains errichten. Das war die...

Aus der Ruhe kommt die Kraft

Dass «Der fliegende Holländer» erst ab 1901 in Bayreuth gespielt wurde, ist kein Zufall. Wagner wollte das, was er als Entwicklung von der Oper zum Musikdrama erstrebt und erkämpft hatte, keineswegs zurückdrehen. Als Nummernoper hatte der «Holländer» wenig mit dem später avisierten Gesamtkunstwerk zu tun. Wenn Wagner mehr Zeit geblieben wäre, hätte er alle seine...