Editorial
Wie viele Opernhäuser braucht eine Stadt? Die Frage lässt sich nicht aufs Geld reduzieren. Sie hat genauso mit Ästhetik, Publikumsstrukturen und gewachsener Geschichte zu tun. Im Grunde ist sie eine nach der Aktualität der Gattung selbst. Und sie stellt sich als solche nicht nur in Berlin, wo die frisch gegründete Opernstiftung bereits ziemlich alt aussieht und die Zukunft nach wie vor ungewiss ist. Bis zu den Wahlen im Herbst soll, wieder mal, ein neues Konzept entwickelt werden. Auch Wien leistet sich drei Opernhäuser.
Das jüngste ist zugleich das älteste: das von Roland Geyer geleitete Theater an der Wien, das sich dem Repertoire von Monteverdi bis Mozart und der Moderne widmen will. Finanziert wird es vor allem von der Stadt. Die Subventionen für die alten Staatstheater sind dagegen seit langem eingefroren. Das bedeutet insbesondere, dass Rolle, Funktion und Legitimation der Volksoper immer wieder zur Diskussion stehen. In New York grüßen die beiden großen Operntempel vis-à-vis: ungleiche Brüder, die doch von ähnlichen Sorgen bedrängt werden. Sowohl der Met mit ihren knapp viertausend Plätzen als auch der City Opera mit immerhin knapp dreitausend Sitzen brechen die Besucher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man kommt nicht sofort darauf. Zu abstrakt klingt beim ersten Hinhören, bei der ersten Begegnung der Titel des neuen Stücks von Ruedi Häusermann, zu intellektuell überhöht, als dass man sogleich auf die Idee verfiele, es könnte sich bei «Gewähltes Profil: Lautlos» ganz und gar profan um eine Einstellung handeln, die sich auf den meisten Mobiltelefonen findet. Eben...
Noch vor der Ouvertüre baumelt ein riesiges Weihrauchfass über die Bühne. Dann verschwindet es, um erst in der letzten Szene wieder aufzutauchen. Es liegt im zersplitterten Bühnenboden – eine Bruchlandung. Natürlich ist das symbolisch gemeint. Natürlich ist eine solche Klammer zwischen Anfang und Ende immer wirkungsvoll. Doch zu retten ist dieser Abend mit solchen...
Auf CDs von Vesselina Kasarova fehlt Händel fast gänzlich. Erstaunlich genug, denn ihrem samtig verbrämten, koloraturflockigen Mezzo ist Barockes jederzeit zuzutrauen. Mit der Titelpartie in «Ariodante» gab Kasarova jetzt so etwas wie ihr großes, szenisches Händel-Debüt. Und zeigte, dass Nicht-Spezialistinnen heute die aussagekräftigeren, vielschichtigeren...
