Englisches Understatement

Glyndebourne, Mozart: Così fan tutte

Opernwelt - Logo

Das neunzehnte Jahrhundert konnte mit Mozarts und da Pontes scuola degli amanti nicht viel anfangen. Ihre tragikomische Versuchsanordnung über die regellose Macht des Eros und die Fragilität der Liebe galt als unschickliche Trivialität. Ein Genie habe da seine «himmlisch süßen Melodien» an «ein ... elendes Machwerk von Text» verschwendet, glaubten nicht nur die frühen Mozart-Biografen. Die Skepsis gegenüber «Così fan tut­te» hielt lange an, bis tief ins zwanzigste Jahrhundert hinein.

Als das Stück 1934 erstmals in Glyndebourne über die Bühne ging, wurden im Auditorium lediglich vierundfünfzig Besucher gezählt – und das gewiss nicht nur, weil John Christie und Audrey Mildmay ihre Privatoper in den Sussex Downs damals gerade erst aus der Taufe gehoben hatten.
Heute ist uns natürlich klar: In Mozarts Buffa steckt weit mehr als lasziver Tingeltangel, sie skizziert letztlich, mit leichter Hand, eine emotionale Katastrophe, die keine Figur ungerührt, ja unbeschadet übersteht. Seit Freud ist das common sense und das Stück folglich auch im Theater zunehmend auf die Couch gelegt worden. Die psychoanalytische Erkenntnis, dass die Libido meist stärker wirkt als die Prinzipien der Vernunft – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kabalen und Liebe

Vor zwei Jahren träumte er noch. «Mir schwebt vor, möglichst viele Formen der Gegenwartskunst in diese Mauern zu holen, Film, Literatur, bildende Kunst, jede durchaus in ihrem eigenen Recht, und sie zum Austausch mit der Kunstform Oper zu provozieren», hatte Seán Doran, von Herbst 2003 an Künstlerischer Chef der English National Opera, dem Schreiber dieser Zeilen...

Mozart: Don Giovanni

Der Zuschauerraum des Innsbrucker Landestheaters spielt in diesem «Don Giovanni» immer mit, nicht nur wenn in der hier favorisierten Wiener Fassung Zerlina den Schwindler Leporello frech herausfordert und hinter dem Dirigenten an einen Stuhl fesselt. Von Anbeginn ist klar: Hier wird Theater gespielt. So schlei­chen sich die Figuren noch vor ihrem eigentlichen...

Tief im Spießermief

Blauweiße Kacheln mit Herzchenmuster. Weißes Giebelfachwerk, Krüge schwenkende Bauern. Eine Wiederauflage von Heinz Schenks legendärem «Blauen Bock»? Beinahe! Stein Winge inszeniert an der Oper Frankfurt Bedrich Smetanas «Verkaufte Braut». Der norwegische Regisseur verpflanzt die tschechische Festoper par excellence in eine spießige Tümelei. Kostümbildner Jorge...