Englisches Understatement
Das neunzehnte Jahrhundert konnte mit Mozarts und da Pontes scuola degli amanti nicht viel anfangen. Ihre tragikomische Versuchsanordnung über die regellose Macht des Eros und die Fragilität der Liebe galt als unschickliche Trivialität. Ein Genie habe da seine «himmlisch süßen Melodien» an «ein ... elendes Machwerk von Text» verschwendet, glaubten nicht nur die frühen Mozart-Biografen. Die Skepsis gegenüber «Così fan tutte» hielt lange an, bis tief ins zwanzigste Jahrhundert hinein.
Als das Stück 1934 erstmals in Glyndebourne über die Bühne ging, wurden im Auditorium lediglich vierundfünfzig Besucher gezählt – und das gewiss nicht nur, weil John Christie und Audrey Mildmay ihre Privatoper in den Sussex Downs damals gerade erst aus der Taufe gehoben hatten.
Heute ist uns natürlich klar: In Mozarts Buffa steckt weit mehr als lasziver Tingeltangel, sie skizziert letztlich, mit leichter Hand, eine emotionale Katastrophe, die keine Figur ungerührt, ja unbeschadet übersteht. Seit Freud ist das common sense und das Stück folglich auch im Theater zunehmend auf die Couch gelegt worden. Die psychoanalytische Erkenntnis, dass die Libido meist stärker wirkt als die Prinzipien der Vernunft – ...
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Schwester Helen ist eine besondere Nonne. Im Duett mit dem Todeskandidaten Joseph trällert sie Songs von Elvis Presley, deutet an, dass sie das Zeug zum Partygirl hätte. Es ist jene Szene im zweiten Akt von Jake Heggies «Dead Man Walking», die uns die Vielseitigkeit der sozial engagierten Katholikin aus New Orleans zeigen möchte, sie endgültig zur Heldin des...
Als Offenbachs «Rheinnixen» 2002 in Montpellier konzertant «wiederentdeckt» wurden, glich das einer Sensation, die vom Publikum heftig gefeiert wurde. Nicht minder Aufsehen erregend war die erste szenische Wiederbelebung 2005 in Ljubljana – einhunderteinundvierzig Jahre nach der Uraufführung.
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Man liebt sich, man fetzt sich. Statt der üblichen Abgangsarie hören wir ein Duett. Poro und Cleofide fauchen sich an wie Katzen und werfen sich die reizenden Melodien an den Kopf, mit denen sie sich eben noch ihre Treue versichert haben. Kurz darauf, nach der Pause, sind beide wieder in zärtlichstem fis-moll vereint, largo und pianissimo. Und das ist auch nötig,...
