Editorial 1/23
Als die Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg darangingen, eine demokratische Verfassung zu erstellen, galt ihr Augenmerk vor allem drei Entitäten: einmal der Würde des Menschen (und den damit verbundenen Menschenrechten), der Gleichberechtigung und schließlich der Freiheit in all ihren Facetten. Auch für den Bereich der Kunst fanden die Verfasser eine probate Lösung: «Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten», heißt es in Artikel 5 des Grundgesetzes.
Und einige Zeilen weiter: «Eine Zensur findet nicht statt.»
Zwei aktuelle Fälle zeigen, dass der Umgang mit dieser verfassungsgemäß verankerten Meinungsfreiheit zwar theoretisch funktioniert, nicht aber zwingend in der Praxis. Am Münchner Metropoltheater wurde eine Inszenierung des Schauspiels «Vögel» von Wajdi Mouawad nach Protesten des Verbandes jüdischer Studenten in Bayern und der Jüdischen Studierendenunion vom Spielplan abgesetzt. Beide Organisationen hatten dem Stück, das nach seiner Pariser Uraufführung 2017 immerhin an 22 deutschsprachigen Bühnen gezeigt und mit großem Erfolg auch in Tel Aviv aufgeführt worden war, «Holocaust-Relativierung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Vor Spitzbergen sieht man sie manchmal. Wenn sie an diesem Archipel ankommen, haben die trotz ihrer Länge (bis zu 17 Metern können es sein) im Grunde niedlichen Tierchen eine lange Reise hinter sich; der Weg aus den polaren und tropischen Meeresgebieten nach Norwegen ist weit – sehr weit, wenn man bedenkt, dass Buckelwale mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von...
Der Orchestergraben ist geschlossen, die vordersten Reihen im Parkett sind herausgenommen, die Musikerinnen und Musiker gehen in einer langen Reihe durch den Zuschauerraum zu ihren Plätzen. Sie sind es, die an diesem Abend die Hauptrolle spielen und – im Zusammenwirken mit der suggestiven Inszenierung von Evgenia Safonova, die in Perm als Musiktheaterregisseurin...
Ungeliebte Schwestern sind sie beide, sind es im Grunde seit dem Tag, an dem sie das Licht der Welt erblickten. Während den Puschkin’schen Schöpfungen «Eugen Onegin» und «Pique Dame» sowie, wenngleich seltener, auch «Jolanthe» bis heute kontinuierlich ein Logenplatz zugewiesen wird, saßen sowohl die «Jungfrau von Orléans» (Jahrgang 1881) als auch die wesentlich...
