Editorial 1/23
Als die Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg darangingen, eine demokratische Verfassung zu erstellen, galt ihr Augenmerk vor allem drei Entitäten: einmal der Würde des Menschen (und den damit verbundenen Menschenrechten), der Gleichberechtigung und schließlich der Freiheit in all ihren Facetten. Auch für den Bereich der Kunst fanden die Verfasser eine probate Lösung: «Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten», heißt es in Artikel 5 des Grundgesetzes.
Und einige Zeilen weiter: «Eine Zensur findet nicht statt.»
Zwei aktuelle Fälle zeigen, dass der Umgang mit dieser verfassungsgemäß verankerten Meinungsfreiheit zwar theoretisch funktioniert, nicht aber zwingend in der Praxis. Am Münchner Metropoltheater wurde eine Inszenierung des Schauspiels «Vögel» von Wajdi Mouawad nach Protesten des Verbandes jüdischer Studenten in Bayern und der Jüdischen Studierendenunion vom Spielplan abgesetzt. Beide Organisationen hatten dem Stück, das nach seiner Pariser Uraufführung 2017 immerhin an 22 deutschsprachigen Bühnen gezeigt und mit großem Erfolg auch in Tel Aviv aufgeführt worden war, «Holocaust-Relativierung ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Verdi, Stiffelio: 7., 19., 29.
- The Tiger Lillies, Shockheaded Peter: 14., 20. - Mozart, Le nozze di Figaro: 15., 21., 27.
Annaberg-Buchholz Winterstein-Theater
www.winterstein-theater.de
-...
Vor genau 100 Jahren präsentierte die Oper Köln unter dem damaligen Musikchef Otto Klemperer die Uraufführung von Alexander Zemlinskys herrlich gemeinen Einakter «Der Zwerg» – in Kombination mit Igor Strawinskys «Petruschka»-Ballett (Paris 1911). Aus diesem Anlass konnte man heuer beide Werke in eben jener Anordnung in Köln erleben. Schön gemachte Videos weisen...
Alles ist anders. Kein Zimmer des Hauptmanns, kein rasierender Wozzeck, kein Spiegel. Auch nicht das Streicher-Glissando und die kecke Oboe, mit denen Alban Berg seine Jahrhundertoper einleitet. Stattdessen erklingt der erste Teil des berühmten letzten Orchester-Zwischenspiels, das der Komponist als Requiem auf seine Titelfigur verfasst hat. Der Freiburger...
