Ecce homo!

Mieczysław Weinbergs Oper «Der Idiot» mutiert in der wundersamen wie wunderbaren Lesart von Krzysztof Warlikowski und seiner Ausstatterin Małgorzata Szczęśniak bei den Salzburger Festspielen 2024 zu einem Manifest über die Schönheit der Welt. Eine Werkbetrachtung

Opernwelt - Logo

Unter den zahllosen sonderlichen Gestalten in Dostojewskis Romanen ist er, neben dem fieberrasenden Rodion Romanowitsch Raskolnikow, vermutlich die sonderlichste.

Ein Ritter von der traurigen (modernen) Gestalt, mitfühlend und verträumt, weltfremd wie menschenzugewandt, ein Philanthrop mit erkennbarem Hang (und der angeborenen Fähigkeit) zu Agape und Philia, somit der personifizierte Gegensatz zu Molières Alceste; eine zartfühlende Seele, die ihren infantilen, naiven Glauben an das Humane selbst in der Katastrophe nicht verliert; faszinierend durch ihre Unschuld und, obwohl von den meisten belächelt, nicht eine Sekunde lang lächerlich; gleichermaßen anziehend wie irritierend. Kurzum: ein reiner Tor – und, wie es die Literaturwissenschaftlerin Ilma Rakusa einmal sehr zutreffend formuliert hat, «der stillste von Dostojewskis Revolutionären».

Ein Held der etwas anderen Sorte ist dieser Fürst Lew Nikolajewitsch Myschkin, der als liebender, sichtlich zerstreuter Gast die Welt betritt, sich in ihr umschaut und nur das Gute, Numinose sieht (oder besser: sehen will), obwohl das Böse, Animalisch-Durchtriebene ihn umgibt und zu verschlingen droht. Fürst Myschkin leidet darunter wie ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 46
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Zum Tanzen zu schade

Man kommt schwer an ihm vorbei – selbst wenn man es will. Die Popularität von Johann Strauß (Sohn)  ist auch 200 Jahre nach seiner Geburt gewaltig. Den so einfachen, aufsteigenden, in breitem Rubato zu spielenden D-Dur-Dreiklang seines berühmtesten Walzers «An der schönen blauen Donau» kennen vermutlich auch jene, die ihn nicht direkt einem Komponisten zuordnen...

Impressum JB Opernwelt 2025

66. JAHRGANG, JAHRBUCH 2025

Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH

ISSN 0030-3690

REDAKTION OPERNWELT
Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße 24, 10785 Berlin Tel.: +49(0)30/25 44 95-55 | Fax: -12 redaktion@opernwelt.de www.opernwelt.de 

REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.), Clemens Haustein

REDAKTIONSBÜRO
Irene Naujoks | redaktion@opern...

«Diese Stücke schäumen vor Einfallsreichtum»

Herr Metzger, am Abend vor unserem Gespräch fand die letzte Vorstellung von Charles Tournemires Oper «Le petit pauvre d’Assise» in Ulm statt. Wie war die Reaktion des Publikums, war dieses unbekannte Werk gut besucht?
Gestern hatten wir knapp über 70 Prozent Platzausnutzung, das ist sehr anständig für so ein Projekt. Was die Wirkung auf unser Publikum betrifft: Ein...