«Diese Stücke schäumen vor Einfallsreichtum»
Herr Metzger, am Abend vor unserem Gespräch fand die letzte Vorstellung von Charles Tournemires Oper «Le petit pauvre d’Assise» in Ulm statt. Wie war die Reaktion des Publikums, war dieses unbekannte Werk gut besucht?
Gestern hatten wir knapp über 70 Prozent Platzausnutzung, das ist sehr anständig für so ein Projekt. Was die Wirkung auf unser Publikum betrifft: Ein guter Indikator ist immer der Moment nach den letzten Akkorden.
Nach dem geheimnisvollen Pianissimo dieses Schlusses herrschte gefühlt vier, fünf Sekunden lang Totenstille im Saal, kein Huster, gar nichts. Und dann gab es einen wunderbaren Applaus für alle Mitwirkenden.
Das Theater Ulm hat seit 2022 zwei Mal in der Opernszene Aufsehen erregt. Die Uraufführungen von lange vergessenen Werken von Tournemire wurden viel beachtet – haben Sie mit dieser Aufmerksamkeit und dem Erfolg gerechnet?
Nicht wirklich, so etwas kann man nicht prognostizieren, denn solche Produktionen bleiben ein Wagnis. Diese Musik hat ja durchaus ihre Ecken und Kanten und ist möglicherweise nicht jedermanns Sache. Ich halte die Musik beider Werke für unfassbar gut. «La Légende de Tristan» und «Le petit pauvre dAʼssise» schäumen über vor Kreativität ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 36
von Götz Thieme
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