«Diese Stücke schäumen vor Einfallsreichtum»
Herr Metzger, am Abend vor unserem Gespräch fand die letzte Vorstellung von Charles Tournemires Oper «Le petit pauvre d’Assise» in Ulm statt. Wie war die Reaktion des Publikums, war dieses unbekannte Werk gut besucht?
Gestern hatten wir knapp über 70 Prozent Platzausnutzung, das ist sehr anständig für so ein Projekt. Was die Wirkung auf unser Publikum betrifft: Ein guter Indikator ist immer der Moment nach den letzten Akkorden.
Nach dem geheimnisvollen Pianissimo dieses Schlusses herrschte gefühlt vier, fünf Sekunden lang Totenstille im Saal, kein Huster, gar nichts. Und dann gab es einen wunderbaren Applaus für alle Mitwirkenden.
Das Theater Ulm hat seit 2022 zwei Mal in der Opernszene Aufsehen erregt. Die Uraufführungen von lange vergessenen Werken von Tournemire wurden viel beachtet – haben Sie mit dieser Aufmerksamkeit und dem Erfolg gerechnet?
Nicht wirklich, so etwas kann man nicht prognostizieren, denn solche Produktionen bleiben ein Wagnis. Diese Musik hat ja durchaus ihre Ecken und Kanten und ist möglicherweise nicht jedermanns Sache. Ich halte die Musik beider Werke für unfassbar gut. «La Légende de Tristan» und «Le petit pauvre dAʼssise» schäumen über vor Kreativität ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 36
von Götz Thieme
Herr Volkov, wenn Sie auf der Bühne stehen, wirkt es, als wären Sie dort geboren. Erzählen Sie, wie alles begann. Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Ich wurde in einer kleinen Stadt in der Ostukraine geboren. Schon als Kind spürte ich, dass nur die Musik mein Interessengebiet ist. Irgendwann zogen wir nach Donezk – eine größere Stadt, in der ich ernsthaft...
Man stelle sich das für eine Weltsekunde mal vor: Das Ende der Geschichte wäre da. Alexandre Kojève lässt es nur ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs in einer nachträglich hinzugefügten Fußnote seines gleichnamigen Buchs – Summe sämtlicher Hegel-Vorlesungen des russisch-französischen Philosophen zwischen 1933 und 1939 an der Ecole pratique des hautes études –...
Musik: Atem der Statuen. Vielleicht:
Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen
enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen.
Gefühle zu wem? O du der Gefühle
Wandlung in was? –:
in hörbare Landschaft.
Du Fremde: Musik. Du uns entwachsener
Herzraum. Innigstes unser,
das, uns übersteigend, hinausdrängt, –
heiliger Abschied:
da uns das...
