«Diese Stücke schäumen vor Einfallsreichtum»
Herr Metzger, am Abend vor unserem Gespräch fand die letzte Vorstellung von Charles Tournemires Oper «Le petit pauvre d’Assise» in Ulm statt. Wie war die Reaktion des Publikums, war dieses unbekannte Werk gut besucht?
Gestern hatten wir knapp über 70 Prozent Platzausnutzung, das ist sehr anständig für so ein Projekt. Was die Wirkung auf unser Publikum betrifft: Ein guter Indikator ist immer der Moment nach den letzten Akkorden.
Nach dem geheimnisvollen Pianissimo dieses Schlusses herrschte gefühlt vier, fünf Sekunden lang Totenstille im Saal, kein Huster, gar nichts. Und dann gab es einen wunderbaren Applaus für alle Mitwirkenden.
Das Theater Ulm hat seit 2022 zwei Mal in der Opernszene Aufsehen erregt. Die Uraufführungen von lange vergessenen Werken von Tournemire wurden viel beachtet – haben Sie mit dieser Aufmerksamkeit und dem Erfolg gerechnet?
Nicht wirklich, so etwas kann man nicht prognostizieren, denn solche Produktionen bleiben ein Wagnis. Diese Musik hat ja durchaus ihre Ecken und Kanten und ist möglicherweise nicht jedermanns Sache. Ich halte die Musik beider Werke für unfassbar gut. «La Légende de Tristan» und «Le petit pauvre dAʼssise» schäumen über vor Kreativität ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 36
von Götz Thieme
Für eine Gesamtaufnahme von Modest Mussorgskis «Boris Godunow» suchte Walter Legge, der umtriebige, einflussreiche Produzent der EMI, im Jahr 1952 einen Tenor für die Partie des Grigori, der nicht nur sehr gut singen, sondern auch perfekt Russisch sprechen sollte. Seine Wahl fiel auf den jungen Nicolai Gedda, der gerade als Chapelou in Adams «Postillon von...
Frau Silja, Sie haben im April Ihren 85. Geburtstag gefeiert. Sind sie eine lebende Legende?
Nein, als solche empfinde ich mich keineswegs. Und lebende Legenden gibt es ohnehin nicht, nur mausetote.
Was sind Sie dann?
Ich bin einfach nur eine Sängerin mit langjährigen Erfahrungen.
Das klingt sehr bescheiden ...
Ich halte mich diesbezüglich an den im April...
Als im Jahr 1960 die erste Ausgabe der OPERNWELT erschien, war die erste große Auseinandersetzung der Kritik mit dem Musiktheater der Nachkriegszeit bereits Geschichte: Wieland Wagner hatte 1951 zur Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele mit seiner «Ring»-Inszenierung und vor allem mit seinem «Parsifal» die bis dahin gültigen Sehgewohnheiten des Opernpublikums...
