Durchgedreht
Eine universal freche Revue, ein Musiktheater als Rätsel-Entertainment, hatte das Berliner Festival MaerzMusik, hoch ambitioniert, zur Eröffnung versprochen. «Melencolia», die gute alte Schwermut, werde als «Show gegen die Gleichgültigkeit des Universums» auf den Brettern im Haus der Berliner Festspiele aufschlagen – nachdem sie 2022 bei den Bregenzer Festspielen das Licht der Welt erblickt hatte und 2024 beim Holland-Festival zu Gast war.
Komponiert von Brigitta Muntendorf und inszeniert vom Dramaturgen Moritz Lobeck, präsentiert sich «Melencolia» als ein zeitgemäß gebrochener Klänge- und Bilderspaß, der sich nicht nur dem Titel nach dem altdeutschen Großmeister Albrecht Dürer als Ideengeber verbunden fühlt, genauer: dessen mysteriös gebliebenem Kupferstich «Melencolia I» von 1514.
Drei große Monitore beherrschen die Bühne im Festspielhaus, wo 14 Mitglieder des Ensemble Modern in pittoresken Kostümen als Darstellende agieren und gleichzeitig, verteilt in winzigen Gruppen aus Streichern, Holzund Blechbläsern sowie Schlagwerk, beherzt bis robust musizieren. Der Apollo-Chor der kooperierenden Staatsoper Berlin (Leitung: Artur Just) hat mit einer Reihe von sechs Sängerinnen in ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Wolfgang Schreiber
Unter Mozarts Da-Ponte-Opern gibt der «Don Giovanni» die größten Rätsel auf. Schon die Bezeichnung Dramma giocoso evoziert jene gespannte Ambivalenz, zwischen der das Stück quasi in der Luft zu hängen scheint. Andererseits bietet die Stellung zwischen Komödien-Himmel und Drama-Hölle ausreichend Raum für exzessive Experimente. Bereits in den 1980er-Jahren verlegte...
Walter Braunfels traf mit seiner Parabel «Die Vögel» 1920 den Geschmack der Zeit. Sein «lyrisch-phantastisches Spiel» entwickelte sich rasch zum Kassenschlager und wurde bis in die 1930er-Jahre sogar häufiger gespielt als Strauss’ Erfolgsopern. Doch Braunfels galt als «Halbjude», und so endete mit der Machtübernahme der Nazis nicht nur seine Karriere als...
An Gesamtaufnahmen des «Rinaldo» herrscht kein Mangel. Was wir hören, ist stets die erste Fassung, deren Premiere am 24. Februar 1711 im Londoner Queen’s Theatre am Haymarket und auch danach wahre Begeisterungsstürme auslöste. 1731 später bearbeitete Händel «Rinaldo» aber derart radikal, dass man fast von einem neuen Werk sprechen muss. Die Stimmlagen fast aller...
