Du Schaf Gottes
Wo des Allmächtigen Einfluss beständig spürbar, wo der Mensch selbst samt seiner Ideale an diesen gekoppelt ist wie ein Schaf an seinen (guten?) Hirten, wo also gleichsam göttliches Licht gen Erden strahlt, damit es hell werde in den Seelen der Menschen – da wirkt ein mit winzigen Lichtschlitzen ausgestatteter Kirchenraum, der zugleich ein ausfluchtsloser Ort ist, für alle Personen der Oper, und seien sie noch so gottlose Geschöpfe, durchaus plausibel.
Bärbl Hohmann hat diesen Raum ersonnen und für Karsten Wiegands Inszenierung von Verdis «Luisa Miller» auf die Bühne des Nationaltheaters Weimar gewuchtet.
Ein Viereck aus hellem Holz. Die Kirchenbänke stehen in Reih und Glied davor, meist ungenutzt. Beinahe wie ein Bunker mutet dieses Geviert an, abseits der sich verändernden Welt, nicht von dieser einzunehmen. Allein, wer dies glaubt, der irrt gewaltig. Denn wie sich später, als alle Schlachten der Liebe erfolglos geschlagen sind, herausstellt, fußt die göttliche Burg nicht auf festem Boden, sondern gerät genau in dem Augenblick aus dem Gleichgewicht, in dem die falschen (physikalischen) Kräfte walten. Oder Gottes Zorn. Oder beides. So ganz genau weiß man es nicht. Zu vage nämlich ...
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