Mafiosi in der Tiefgarage

Bratislava bringt mit Verdis «Il trovatore» die erste Oper auf die Bühne des neuen Nationaltheaters

Opernwelt - Logo

Aha, denkt der MTV-versierte Zuseher sich zu Beginn: «Alles im Arsch». An den Videoclip zu diesem Song von Jan Delay und Udo Lindenberg erinnert, was sich da beim «Trovatore» auf der neuen Bühne des Slowakischen Nationaltheaters tut: Mafiosi konspirieren in einer Tief­garage, und ihr Anführer (Schlapphut, Sonnenbrille, lange Haare) scheint Udo, dem Paten aller deutschen Rockbarden, wie aus dem Gesicht gerissen. Letzteres ist Zufall; das Ambiente ist es nicht.

Denn das Geschehen wickelt sich nicht in Spanien ab wie bei Gutiérrez und Cammarano/Verdi, sondern im neuen Nationaltheater von Bratislava. Martin Bendíks Inszenierung nimmt mit viel Ironie die Fährte der verwickelten Ereignisse um das neue Haus auf.
Dass dort nun Oper gespielt wird, war während der langen, 21-jährigen Bau­geschichte nicht immer selbstverständlich; zwischendurch schienen die Künste tatsächlich an jenem Ort, den Jan Delays Song suggeriert. Ein kurzer Rückblick: 1979 beschloss die slowakische Landesregierung (der damaligen Tschechoslowakei), ein neues National­theater zu bauen, da der alte Helmer-Fellner-Bau technisch überaltert war und aus allen Nähten platzte. Im Wettbewerb 1980 siegte das Projekt der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verniedlicht

Mit der vor zwei Jahrzehnten verwegenen These, dass Händel wie Monteverdi, Mozart und Verdi zum Kreis der herausragenden Opernkomponisten gehöre, begann Winton Dean seine Studie über Händels Opern. Sie fand ihre Bestätigung durch Dutzende Aufnahmen, die von William Christie, Alan Curtis, René Jacobs und Nicolas McGegan vorgelegt wurden. Dem Vertrauen in die Musik...

Der Unbeirrbare

Nach der Maxime Senecas, dass «wahre Freude eine ernste Sache» ist, hat ­Ulrich Schreiber gelebt und gearbeitet. Er war nicht ganz unschuldig daran, dass ich mein Berufsleben bei der Kölner Electrola begann. Dort habe ich ihn als Theater- und vor allem als Schallplatten-Kritiker der «HiFi-Stereophonie» erlebt, von dem nichts weniger zu erwarten war als...

Harvey: Wagner Dream

Was ging Wagner wohl durch den Kopf, als er starb? Vielleicht seine unvollendete Buddhisten-Oper «Die Sieger», die er siebenundzwanzig Jahre zuvor aufgegeben hatte. Das ist der Ausgangspunkt von «Wagner Dream» – ein Stück, das nach der Luxemburger Uraufführung im Rahmen des Holland Festivals in Amsterdam auf reges Publikumsinteresse stieß. Jonathan Harveys neue...