Dschungel-Blues
Der Stubenfliegenbengel singt Tenor und ist kreuz-unglücklich. Gerade erst aufgewacht, muss er schon ans Ende denken – in der festen Überzeugung, eine Eintagsfliege zu sein. Und weil Kostas noch längst nicht die Biege machen, sondern lieber mit seinen hippen Krabbelkumpels weiter durch den Großstadtdschungel stromern will, hat er den Blues. Natürlich den «Eintagsfliegen-Blues».
Irgendein Asphaltinsekt drückt ihm ein Mikro in die Hand – und schon klagt Matthias Siddhartha Otto, deutsch-indisches Mitglied des Opernstudios an der Komischen Oper, Kostas’ Leid – show-reif und in astreiner Sinatra-Crooner-Manier.
Nicht nur in dieser, von melancholischen Blechbläser-Licks, swingenden E-Bass-Grooves und butterweichen Streicher-Glissandi umspielten Bekenntnis-«Arie» outet sich der Berliner Komponist Christian Jost («Angst», «Hamlet») als findiger Kenner des Jazz-, Pop- und Musical-Repertoires. Für «Mikropolis», seine erste Kinderoper, hat sich Jost überhaupt eher an eingängigen Klängen des Alltagsgebrauchs als an Maßstäben der Avantgarde orientiert. Da lugen zum Beispiel ein paar Töne aus Ennio Morricones berühmtester Filmmelodie hervor, wenn Kostas den nahen Tod bejammert. Und die Harfe ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Albrecht Thiemann
Man darf es als Bekenntnis, als musikpolitischen Aufbruch verstehen, wenn sich die neuen Intendanzen in Karlsruhe und Stuttgart einem der großen, hierzulande noch immer nicht in seiner vollen Bedeutung anerkannten Zeitgenossen zuwenden – Hector Berlioz, dem bahnbrechenden Orchestervirtuosen und eigentlichen Zukunftsmusiker unter den großen Komponisten des 19....
Wer sich so nach dem Tod sehnt wie Tristan kann in dieser Welt immer nur ein Unbehauster, Heimatloser bleiben. Gefangen in einer Zwischenwelt, einem Umzug, der nicht enden will. Als solchen Umzug inszeniert Regisseurin Yona Kim, 2011 für den Deutschen Theaterpreis «Der Faust» nominiert, Wagners Oper in Braunschweig: Plastikplanen hängen von der Decke, überall...
Sie haben es gerade noch geschafft. Bevor die Zocker in den Banken und an den Börsen, von einer blind auf die Selbstregulierung der Märkte vertrauenden Politik begünstigt, die grüne Insel an den Rand der Staatspleite brachten. Vor gut einem Jahr hatte Irland unter dem sogenannten «EU-Rettungsschirm» Zuflucht suchen müssen – als erstes Mitglied der Europäischen...
