Dreigroschen-Story
Man kann sich nur ausmalen, welche Überwindung es Mary Ann McCormick gekostet haben mag, Stephan Mannteuffels Scheußlichkeit von Kleid zu tragen. Es soll ja vorkommen, dass Teenies solche blassen Tuchkonstruktionen für sexy halten – aber eine doch schon reifere Carmen? Ausgeschlossen! Trotzdem schlängelt die Sängerin solchermaßen eingewickelt in Lillas Pastias Schmugglerspelunke ihren Schleiertanz. Sie ist das perfekte Bild einer verlebten Puffmutter, die den dumpfen Säufern an der Theke noch einmal glasige Augen beschert.
Doch, ja, so könnte es gehen.
Zwar hält sich Franziska Severin zurück mit plakativen Aussagen, sie verzichtet weitgehend auf die Deutungsmöglichkeiten des Regietheaters (und ignoriert leider auch einige Spielmöglichkeiten in Stephan Mannteuffels Bühnenbildern). Ist das nun ein überaus gewitzter Coup, der sich später erst löst – oder doch nur städtische Notlösung? Man weiß nie so recht, woran man ist mit dieser St. Galler Produktion.
Aber wie nebenbei zeichnet sich eine erstaunliche Verwandlung ab. Carmen steigt aus dem Sumpf. Wechselt von H&M zu Gucci. Trägt Hut und Hosenanzug. Und mit ihr verändert sich die Welt. Hocken ihre Kolleginnen anfangs noch zusammen wie ...
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