Dramatische Poesie
Nach dem zaghaft wirkenden Start vor einem halben Jahr (siehe OPERNWELT 12/2024) nimmt die Gesamtausgabe von Donizettis Liedern nun richtig Fahrt auf. Die dritte und vierte CD – acht sind insgesamt geplant – bringen so viele Kompositionen von herausragender Qualität, dass man sich an ihnen gar nicht satthören mag. Dies gilt insbesondere für die Scheibe mit Michael Spyres, der auch sängerisch seine Kollegen Brownlee und Alaimo in den Schatten stellt.
Zweifellos ist Spyres durch die Auswahl der Stücke begünstigt, unter denen sich mehrere Lieder finden, die das Etikett «Meisterwerk» verdienen. Donizetti erscheint als herausragender Vertreter der französischen Mélodie, noch vor der definitiven Etablierung dieser Gattung in der französischen Musik. Zum Beispiel «Le violon de Crémone»: Dort gestaltet der Tenor im Dialog mit einer obligaten Violine in Kurzform das, was wir als Antonia-Akt aus Offenbachs «Les Contes d’ Hoffmanns» kennen. Oder die erst kürzlich entdeckte Elegie auf den Tod des Sängers Adolphe Nourrit («Si tu m’as fait à ton image»), die zu den anrührendsten Kompositionen gehört, die Donizetti je geschrieben hat – bis hin zum harschen Ende, wenn für die «mit erstickter ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 38
von Anselm Gerhard
Sie habe immer geschrieben, um der Hölle zu entkommen, aber vergeblich: Das notierte die britische Dramatikerin Sarah Kane, wenige Monate bevor sie sich mit nur 27 Jahren das Leben nahm. In ihrem 1999 vollendeten Theaterstück «4.48 Psychose» schildert sie den Seelenkampf einer psychisch erkrankten Frau am Abgrund einer schweren Depression. Philip Ve -nables hat...
Und als ich wiederkam, da – kam ich nicht wieder.» Dies Bekenntnis des Romanciers Alfred Döblin aus dem Jahr 1946 fasst das Schicksal der von den Nazis 1933 ins Exil vertriebenen oder in die innere Emigration gezwungenen Juden und ihrer verfemten Werke in einem einzigen Satz zusammen. Er gilt auch für den bereits 1934 an gebrochenem Herzen gestorbenen Komponisten...
Aus männlicher Perspektive mögen jene Verse, die Adelbert Chamisso im zweiten Gedicht seines Zyklus’ «Frauenliebe und -leben» der imaginären Liebenden in den Mund legte, durchaus der Wahrheit entsprechen: «Er, der Herrlichste von Allen, / Wie so milde, wie so gut!». Schön wär’s – denn damit zeichnet der romantische Dichter ein nicht nur verklärendes, sondern zudem...
