Drama, Metatheater, Kabarett
Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Diese «Meistersinger von Nürnberg» begannen mit einer musikalischen Enttäuschung, dafür mit einem szenischen Hingucker. Wie sich der Karlsruher GMD Justin Brown durch das Vorspiel ackert, die Badische Staatskapelle sich durch die Noten arbeitet: Das klingt schwerfällig, gepanzert, behäbig. Die quickeren, lustspielhafteren Partien freilich lassen das Happy-End zumindest erhoffen. Und tatsächlich, den gelösten, gelenkigen Tonfall der Konversationskomödie treffen Dirigent und Orchester bald aufs Glücklichste.
Die philosophischen Tiefen des Schlussakts entfalten sich mit gemessenem Nachdruck. Das hat Format.
Hebt sich die gigantische Vorhang-Collage aus Dutzenden von «Meistersinger»-Plakaten und -Plattenhüllen, sehen wir uns zwei kleineren Räumen ohne Eigenschaften und einem größeren in der Mitte gegenüber: keine Katharinenkirche, eher ein Gemeindehaus – ein neutrales Angebot von Rainer Sellmaier. Der Kantor ist Beckmesser, ein Strizzi, der nachts mit einer Lautsprecherbox unterwegs sein wird: ein Überraschungscoup ohne Regiefolgen. Rechts nebenan ereignet sich der Hingucker: Sachs und Eva knutschen angelegentlich. Das ist kein Schmatz. Das ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Heinz W. Koch
Keine zwei Jahre ist George Benjamins «Written on Skin» alt – und schon so etwas wie ein Klassiker. Seit der bejubelten Uraufführung 2012 in Aix-enProvence hat das Werk des Messiaen-Schülers einen regelrechten Triumphzug angetreten: Schon die Uraufführungsinszenierung von Katie Mitchell wurde nach Amsterdam, London, Toulouse und Florenz und München weitergereicht....
Es scheint dem Intendanten Frédéric Chambert ein besonderes Anliegen zu sein, der Gegenwart in der BelcantoStadt mehr Platz einzuräumen. Für den als Auftragswerk des Théâtre du Capitole soeben uraufgeführten Dreiakter «Les Pigeons d’argile» wandte er sich an Philippe Hurel, einen Komponisten aus Pierre Boulez’ IRCAM. Bislang hatte sich Hurel auf Instrumental- und...
Am 2. Februar 1990 mittags saßen wir im Büro von Angelo Gobbato, dem Direktor der Capetown Opera, um ihn für «Opernwelt» zu interviewen. Und hörten Radio. Denn F. W. de Klerk, der damalige Staatspräsident Südafrikas, hielt jene historische Rede, in der er die Freilassung Nelson Mandelas, die Aufhebung des Verbots des Afrikanischen Nationalkongresses und das Ende...
