Drama, Metatheater, Kabarett
Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Diese «Meistersinger von Nürnberg» begannen mit einer musikalischen Enttäuschung, dafür mit einem szenischen Hingucker. Wie sich der Karlsruher GMD Justin Brown durch das Vorspiel ackert, die Badische Staatskapelle sich durch die Noten arbeitet: Das klingt schwerfällig, gepanzert, behäbig. Die quickeren, lustspielhafteren Partien freilich lassen das Happy-End zumindest erhoffen. Und tatsächlich, den gelösten, gelenkigen Tonfall der Konversationskomödie treffen Dirigent und Orchester bald aufs Glücklichste.
Die philosophischen Tiefen des Schlussakts entfalten sich mit gemessenem Nachdruck. Das hat Format.
Hebt sich die gigantische Vorhang-Collage aus Dutzenden von «Meistersinger»-Plakaten und -Plattenhüllen, sehen wir uns zwei kleineren Räumen ohne Eigenschaften und einem größeren in der Mitte gegenüber: keine Katharinenkirche, eher ein Gemeindehaus – ein neutrales Angebot von Rainer Sellmaier. Der Kantor ist Beckmesser, ein Strizzi, der nachts mit einer Lautsprecherbox unterwegs sein wird: ein Überraschungscoup ohne Regiefolgen. Rechts nebenan ereignet sich der Hingucker: Sachs und Eva knutschen angelegentlich. Das ist kein Schmatz. Das ist ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Heinz W. Koch
Das Stück ist viel schwerer, als es auf den ersten Blick scheint. Ein erster Blick auf die vollgestellte Bühne mit den zwei roten Wohnwagen (Noëlle Ginefri) verheißt pure Leichtigkeit des Seins, das bekannte Theater auf dem Theater: Statt eines Vorhangs sieht das hereinspazierende Publikum auf die betriebsame Szenerie einer italienischen Wandertheatertruppe, deren...
Wir sind nicht fröhlich oder traurig. Wir sind fröhlich oder gewalttätig.» So hat Stephen King, der king of horror, das amerikanische Lebensgefühl einmal zugespitzt. Disneyland und Todesstrafe. Mörderische Spaßgesellschaft. Aus dieser Richtung scheint sich in Köln Regisseur Viestur Kairish dem Weber’schen «Freischütz» genähert zu haben. Der Wettstreit zwischen...
Kunst gehört uns nicht. «Wir müssen sie immer wieder neu verdienen», sagt Serge Dorny. Draußen donnert es, als wollte der Himmel ein Ausrufezeichen setzen. Aber kein Gewitter naht; vielmehr rumoren einige Harleys am Café vorbei. Später sehen wir sie in der Nähe der Opéra abgestellt. Unter den Arkaden des Opernhauses, das dank des Architekten Jean Nouvel Gestern und...
