Don Quichote in mannigfacher Gestalt

Das erfüllte Leben eines Utopisten - Hans Werner Henze zum Achtzigsten

Opernwelt - Logo

Bellezza, verità e vanità – das Schöne, das Wahre und die Ware. Das ist nicht ganz korrekt übersetzt, doch entsprechen einander die kritischen Anzüglichkeiten. Ist es ein Sprachscherz des Hegel’schen Weltgeistes über die Mentalität der Völker? Die Wortspiele, die der klassischen Dreiheit vom Schönen, Wahren und Guten ans Leder gehen, zielen bei den Teutonen auf den Warencharakter der Kunst. Dagegen rückt der Klang des Italienischen und Lateinischen die in Frage gestellte Wahrheit, die veritas, phonetisch in die Nachbarschaft der ­vanitas, der Eitelkeit (und Vergänglichkeit).

Mit dem verzwickten und widersprüchlichen Ineinander von Schönheit und Wahrheit, mit der Utopie, der Warenhaftigkeit und Verdinglichung sowie mit der politischen Utopie einer gerechteren Welt hat sich Hans Werner Henze nicht nur in seiner Musik ein nun achtzig Jahre währendes, erfülltes Leben lang herumgeschlagen: per definitionem ein Don Quichote.

Eine zweite Metapher ist unabweisbar. Henze ist, wie andere Große vor ihm, etwa der von ihm sehr verehrte Strawinsky, ein Proteus der Musik. Er bleibt sich selbst immer treu, wandelte sich aber ständig, verblüffte Bewunderer wie Gegner, trägt die inneren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Magazin, Seite 20
von Dietmar Polaczek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verdi: Aida

«Aida» auf Tonnen von Sand in Sporthallen, als Feuerspektakel auf Europatournee, Open Air in der Arena von Verona oder vor dem Tempel der Hatschepsut in Theben – alles schon dagewesen. Aber als Operette in einem palmenbestückten Wintergarten? Bei der Pariser Weltausstellung 1889? Oder doch 1870, zur Entstehungszeit der Oper, in einem imaginären Nobelhotel zu...

Verdi: Don Carlo

Über dem Musiktheater in der Goldstadt Pforzheim liegt der Schatten der jeweils nur eine halbe Bahnstunde entfernten Konkurrenz in Karlsruhe und Stuttgart. Mit dem Mut der Verzweiflung fordert der Pforzheimer Opernchef und GMD Jari Hämäläinen die beiden Staatstheater auf deren ureigenstem Gebiet, der gro­ßen Oper, heraus. «Fidelio», «Tosca» und «Don Carlo» standen...

«Leicht muss man sein»

Herr Thielemann, brauchen wir nach der Kanon-Debatte in der Literatur auch eine vergleichbare Diskussion für die Musik?
Klassiker sind wie das tägliche Brot. Wir kämen nicht auf die Idee zu sagen: Ab morgen werden wir nicht mehr mit Wasser duschen, weil uns dieses Wasser nach Jahrtausenden jetzt auf den Senkel geht. Und so sehe ich das auch mit den Klassikern....