Doch eher rätselhaft
Alles, was wir verstehen, ist nichtig, und groß und bedeutungsvoll allein, was wir nicht begreifen» – Tolstois Bekenntnis zum Irrationalismus dürfte heutzutage nur noch wenig Zustimmung ernten, in Bezug auf den «Don Giovanni» ist seine Ansicht aber nicht so leicht von der Hand zu weisen.
Sollte die singuläre Größe dieser Oper tatsächlich darauf beruhen, dass niemand sie versteht, verstehen kann, dass also ihre oft beschworene Mehrdimensionalität keine widerspruchsfreie Exegese zulässt? Ungeklärt ist bis heute die Frage nach der wahren Gestalt Don Giovanni, nach dem Sinn der buffonesken Scena ultima inmitten einer Tragödie, vor allem aber die Frage nach dem Ende des Protagonisten. Das von Alfred Einstein entdeckte Ur-Libretto lässt Zweifel an der Höllenfahrt aufkommen. Mozart und Da Ponte verfassten es für eine geplante Prager Aufführung Mitte Oktober 1787, die dann jedoch um zwei Wochen verschoben werden musste. Einstein übernahm handschriftliche Szenenanweisungen dieses Ur-Librettos in seine bei Eulenburg erschienene Partitur-Ausgabe. Spätere Drucke, auch die Neue Mozart-Ausgabe, haben diese Angaben teilweise getilgt.
Hat es sich bis Erfurt herumgesprochen, dass die ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Volker Tarnow
Gefühlvoll Operettiges, das auch ans Sentimentale streifen darf, und ebensogut fetzige Tanzrevue-Nummern oder einprägsame Songs: Gerd Natschinskis Klänge garantieren zusammen mit dem Bühnengespür seines Librettisten Jo Schulz, dass dieser «Messeschlager Gisela» auch dramaturgisch gut funktioniert. Trotzdem feiern beide nach wie vor fast nur in ostnostalgischen...
Der Ort ist ein Traum. Auf einer Anhöhe, direkt am Vierwaldstätter See und leicht abgeschieden, liegt die Villa Senar. Und ist schon der Würfelbau an sich ein Schmuckstück, birgt er dazu in seinem Innern einen unüberbietbaren Schatz – jenen schwarzmattglänzenden Flügel, den Frederick Steinway dem Komponisten und Hausherrn Sergej Rachmaninow zu dessen 60. Geburtstag...
Christof Loy ist seit mehr als 35 Jahren im Operngeschäft – und in der Wahl seines Repertoires immer schon eigenwillig gewesen. Einige Werke des Kernrepertoires hat der Regisseur bewusst ausgelassen. So hat er nie eine «Butterfly» inszeniert, keinen «Rigoletto» und keinen «Trovatore», weder den «Fliegenden Holländer» noch den «Ring». Sein Faible galt (und gilt) dem...
