Diven-Offensive
Mit drei fast zeitgleich veröffentlichten Recitals geht Virgin Classics in eine Primadonnen-Offensive, die sich auch in der Programmgestaltung vom Mainstream abzuheben versucht.
Im Fall der amerikanischen Mezzosopranistin Joyce Di Donato ist die Idee eines Konzept-Albums, das bekannte Opernstoffe von verschiedenen Seiten beleuchtet, sei es durch den Wechsel der Zeiten und Stile, sei es durch die unterschiedliche Geschlechtsperspektive, zunächst vielversprechend: Mozarts Susanna trifft Cherubin und dieser seinen Nachfolger bei Massenet, Sesto in Glucks «La clemenza di Tito» steht Vitellia in Mozarts Version desselben Sujets gegenüber, auf Gounods Siebel folgt die Marguerite von Berlioz und so weiter.
Doch diese Gegenüberstellung wird nicht wirklich erhellend, da die Sängerin zu wenig Farbe bekennt, und zwar im doppelten Sinn: vokal wie interpretatorisch. Zunächst die Stimme: Sie scheint zum (hellen) Sopran mutiert, klingt in der Tiefe ausgebleicht und ausgedünnt. In ihren Rossini-Glanzpartien Rosina und Cenerentola bleibt sie trotz technischer Bravour deutlich hinter früheren Aufnahmen zurück.
In den meisten Fällen fehlt obendrein der dramatische Zugriff auf die Rollen. Männer wie ...
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Der verspannte Klang infolge forcierten Singens ist eine unerfreuliche Erscheinung, der man im Opern- und Konzertalltag immer wieder und immer häufiger begegnet. Viele Sänger, falsch angeleitet oder sich selbst überschätzend, versuchen stimmlich mehr zu geben, als sie haben, mit dem Resultat, dass sie nur die Mühsal des Singens, nicht aber die Musik zum Ausdruck...
Mit Simon Halsey zu sprechen, kann ein Vergnügen sein. «Oh, Sie sind von der ‹Opernwelt›!» Der Besucher hat noch nicht mal seine Jacke abgelegt, da fängt der Leiter des Rundfunkchors Berlin schon von alleine an zu erzählen: Wie Oper ihn seit seinen Anfängen begleitet hat, wie er schon als blutjunges Mitglied im Chor des King's College von Cambridge in Purcells...
Auch größte Mozart-Liebhaber – sind wir das nicht irgendwo alle? – haben an dieser Geschichte gezweifelt. Dass zwei Freunde ihre beiden Verlobten verlassen, um ihre Treue zu prüfen, weil sie darauf eine Wette eingegangen sind, mag man ja noch glauben. Dass sie verkleidet zurückkehren und den beiden Schwestern den Hof machen – und zwar der jeweils anderen – mit...
