Direkte Beziehung
Schutzlos ausgeliefert, fast nackt, dem Publikum indiskret nahe. Kein Kostüm, hinter dem man sich verstecken kann, kein Graben, der Distanz schafft, kein Orchester, das einen akustisch schützend umhüllt. Liedgesang, zumal im Saal, scheint keine Sache für Ängstliche. Manche Sänger freilich lieben gerade diese Nähe: «Was mich am Lied so fasziniert, ist die direkte Beziehung, die man zu seinem Publikum findet», sagte Marjana Lipovsek dem Schreiber dieser Zeilen vor einigen Jahren, «ich versuche, mit dem Publikum ‹befreundet› zu sein, mit ihm eine spezielle ‹Affäre› einzugehen.
Dabei öffne ich mich vollkommen, jedes Lied ist von mir, von meinem Inneren abgestempelt.»
Dass diese Aussage nicht bloß Attitüde war, beweist der Mitschnitt ihres Liederabends von den Salzburger Festspielen 1987, den Orfeo jetzt auf zwei CDs herausbrachte. Über Geschmack kann man bekanntlich trefflich streiten, aber für mich ist dies eines der schönsten, stimmigsten Recitals, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden. Erfühlen der Inhalte und intellektuelle Disposition sind im stimmigen Einklang; souverän die Gestaltungskraft der Lipovsek und ihre Wandlungsfähigkeit in diesem dramaturgisch weit gespannten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Adorno hat seine Kritik an Wagners Musik in eine dialektische Volte verpackt: Die Leitmotivtechnik mit ihrer Statik bilde die Kehrseite von Wagners «unendlicher Melodie». Insbesondere der «Götterdämmerung» warf Adorno vor, sie schleppe eine ganze «Armatur von Leitmotiven» mit sich herum; damit seien musikalischer Fluss und die Chance zur wahren Entwicklung...
Es gehört zum Job des Intendanten, die Werbetrommel zu rühren und im Rückblick ein bisschen zu verklären. «Wohl selten ist eine zeitgenössische Oper unter glücklicheren Umständen geboren worden», meinte Gustav Rudolf Sellner über die Uraufführung von «Der junge Lord» an der Deutschen Oper Berlin. 1965 fand die statt, und natürlich meinte Sellner die Umstände der...
Die Oper auf DVD boomt. Kein Theater, das auf sich hält, will mehr darauf verzichten, die eigenen Produktionen medial zu vermarkten. Denn das bedeutet nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle, sondern auch erhebliche Eigenwerbung. Künstlerische Erwägungen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Vieles, was auf den Markt kommt, hat allenfalls lokale...
