Dieser zarte Funken Hoffnung
Sie sind einander nahe. Sehr nahe: der Tod und das Mädchen. Nur wenige Zentimeter trennen sie, ein winziger synaptischer (Licht-)Spalt, und würde es mit rechten Dingen zugehen, wäre das Spiel, kaum ist die Stille nach den Schüssen eingetreten, vorbei und würde der Tod das Mädchen in seine Arme schließen. Doch kaum hat sich jene Falltür geöffnet, unter der Manuel Rocas Tochter liegt, während oben ihr Vater, ein ehemaliger Arzt, und ihr Bruder kaltblütig ermordet werden, öffnet sich auch das Herz des jungen Mannes, der sie entdeckt hat und eigentlich nicht am Leben lassen darf.
Doch Tito, so nennen ihn seine Mitstreiter El Gurre und Salinas, wird von Ninas Blick so sehr, fast Sartre’isch, gebannt, dass er ihr das Leben schenkt …
«Senza sangue» heißt die bittersüße Novelle von Alessandro Baricco, die Péter Eötvös zu seinem gleichnamigen, 2016 beim Grand Opéra Festival in Avignon uraufgeführten Bühnenwerk inspirierte. Bariccos Text ist im Libretto von Mari Mezei größtenteils beibehalten, allerdings wird die Szene auf dem Bauernhof nur kursorisch und in Rückblenden erzählt, in zarten Nuancen und Andeutungen über das Vergangene. Was damals, vor vielen Jahren, geschah, erschließt sich in ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
JUBILARE
Neil Shicoff wurde in New York geboren und studierte an der Juilliard School of Music. Sein Debüt gab der Tenor 1975 in Cincinnati in der Titelrolle von Verdis «Ernani» unter dem Dirigat von James Levine. Ein Jahr später stand er erstmals auf der Bühne der Metropolitan Opera. Engagements an der Mailänder Scala, Londons Royal Opera House, dem Gran Teatre...
Seine große Zeit als Metapher hatte der deutsche Wald im 19. Jahrhundert. Am Beginn des 20. mutierte er dann zum psychoanalytisch gedeuteten Motiv, etwa bei Schönbergs sperrigem Monodram «Erwartung» (1909), aber auch in Ethel Smyths Musiktheater «Der Wald» von 1902. In Wuppertal kombinieren Regisseur Manuel Schmitt und GMD Patrick Hahn beide Bühnenwerke...
Gemeckert wird immer, überall. Auch im Theater. Da es aber keine Geißen und Böcke sind, die das Saarländische Staatstheater bevölkern, sondern altmodisch gekleidete Lämmlein (des Herrn?), verwandelt sich das Gemecker noch vor dem ersten Ton in gackerndes Geblöke. Durch die Türen schleicht die Prozession der (Statisten-)Tiere gen Bühne, von einer Live-Kamera, die...
