Die Widerspenstige zieht uns hinan
Die Himmelfahrt ist abgesagt. Umsonst klimpert sich die Harfe in den letzten Takten des «Fliegenden Holländers» ins Paradies. In Osnabrück sendet noch ein Lichtkegel den Segen des Himmels in den wirbelnden Abgrund von Dennis Krauß. In Gelsenkirchen landet der Himmel mitsamt Schiff und Holländer am Ende direkt in der Tonne. Senta hat bei Regisseur Igor Pison Besseres zu tun, als zu sterben. Dafür spukt es auf beiden Bühnen gewaltig. In Gelsenkirchen gruselt sich Senta vor der Ehe. In Osnabrück ist der Geist der Revolution wiederauferstanden.
Johohoe! Ist es das Gespenst des Kommunismus? Oder der Maiaufstand, zu dem die Widerspenstige aufruft? Beide Sentas verbinden nicht nur ihre roten Haare, sondern auch eine gewisse Pippi-Langstrumpf-Mentalität. Der rebellische Teenager in Gelsen -kirchen löst sich von seiner Holländer-Obsession und zerschmettert das Frauenbild «Treu bis in den Tod» gleich mit. Die Revoluzzerin in Osnabrück sieht im Holländer den Rädelsführer, den sie braucht, um endlich die Welt umzukrempeln, von blau nach rot. Nachdem im September am Theater am Domhof, im Bistum Osnabrück von vielen Kirchtürmen beschattet, eine Schauspiel-Premiere abgesagt wurde, angeblich weil ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Anna Chernomordik
Die Sentenz sitzt: «Unglücklich das Land, das keine Helden hat. – Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.» So hat es Bertolt Brecht einmal notiert, und so könnte auch die Überschrift zur «Lohengrin»-Inszenierung von Richard Brunel lauten, mit der Bodo Busse seine Intendanz an der Staatsoper Hannover eröffnet hat. Ein denk-würdiger Abend im besten Sinne des...
Siegmund Nimsgern war Saarländer, geboren in St. Wendel. Ein echter Saarländer verlässt seine Heimat nur äußerst ungern, so auch er, der bis zu seinem Tod in St. Ingbert lebte. Seinem opernbegeisterten Vater verdankt er den Vornamen. Als er im Bayreuther «Ring» neben Siegfried Jerusalem sang, hieß es leicht spöttisch: schon kurios – ein Siegmund singt den Wotan,...
Zunächst ist man skeptisch. Im kleinen Luzerner Theater soll es eine große Britten-Oper geben? Mit farbig-fülliger Orchestrierung und einem ganzen Dorf auf der Bühne? Und tatsächlich ist der Einstieg gewöhnungs -bedürftig: Arg reduziert sind Streicher und Bläser, zu sehen gibt es nur eine Mauer. Doch bald schon beginnt ein musikalisches Wunder: Jonathan Bloxham...
