Die Widerspenstige zieht uns hinan

Wagners «Fliegender Holländer» in Gelsenkirchen und Osnabrück: einmal als Stück über eine rebellische junge Frau, einmal als Allegorie auf die Revolution

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Die Himmelfahrt ist abgesagt. Umsonst klimpert sich die Harfe in den letzten Takten des «Fliegenden Holländers» ins Paradies. In Osnabrück sendet noch ein Lichtkegel den Segen des Himmels in den wirbelnden Abgrund von Dennis Krauß. In Gelsenkirchen landet der Himmel mitsamt Schiff und Holländer am Ende direkt in der Tonne. Senta hat bei Regisseur Igor Pison Besseres zu tun, als zu sterben. Dafür spukt es auf beiden Bühnen gewaltig. In Gelsenkirchen gruselt sich Senta vor der Ehe. In Osnabrück ist der Geist der Revolution wiederauferstanden.

Johohoe! Ist es das Gespenst des Kommunismus? Oder der Maiaufstand, zu dem die Widerspenstige aufruft? Beide Sentas verbinden nicht nur ihre roten Haare, sondern auch eine gewisse Pippi-Langstrumpf-Mentalität. Der rebellische Teenager in Gelsen -kirchen löst sich von seiner Holländer-Obsession und zerschmettert das Frauenbild «Treu bis in den Tod» gleich mit. Die Revoluzzerin in Osnabrück sieht im Holländer den Rädelsführer, den sie braucht, um endlich die Welt umzukrempeln, von blau nach rot. Nachdem im September am Theater am Domhof, im Bistum Osnabrück von vielen Kirchtürmen beschattet, eine Schauspiel-Premiere abgesagt wurde, angeblich weil ...

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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Anna Chernomordik

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