Die Verwandlung der Welt durch Liebe
Im Westen kennt man Nikolai Rimsky-Korsakow als fantasievollen musikalischen Märchenerzähler durch seine sinfonische Suite «Scheherazade». Man rühmt ihn als glänzenden Koloristen in viel gespielten Orchesterwerken wie dem «Capriccio espagnol» oder der Ouvertüre «Russische Ostern». Und man kennt den in zahllosen Transskriptionen verbreiteten «Hummelflug».
Die wenigsten dürften wissen, dass es sich dabei um ein instrumentales Zwischenspiel aus einer Oper handelt und zwar aus jener mit dem Bandwurmtitel «Das Märchen vom Zaren Saltan, von seinem Sohn, dem ruhmreichen und mächtigen Recken Fürst Gwidon Saltanowitsch, und von der wunderschönen Schwanenzarewna». Jemals gehört oder gesehen?
«Ich bin ein mittlerer Charakter»
«Ich bin ein mittlerer Charakter, war es immer und werde es immer bleiben – bis zum Ende», schrieb der Komponist 1905, drei Jahre vor seinem Tod, an den Librettisten Wladimir Belski. Rimsky-Korsakow war ein scheu in sich zurückgezogener, reservierter, zu neurotischen Selbstzweifeln neigender Melancholiker, der uns auch in seinen lesenswerten, sachlich gehaltenen Erinnerungen mit dem bezeichnenden Titel «Chronik meines musikalischen Lebens» kaum Einblicke in seine Psyche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Nun haben Dilettanten aus Florenz / Aus heidnischen antiken Schriften / Sich Theorien künstlich ausgedacht. / Nach denen wird fortan Musik gemacht», lässt Hans Pfitzner den Protagonisten seiner Oper «Palestrina» singen, nachdem dessen Schüler Silla sich als Anhänger des «Stile nuovo» deklarierte.
Er thematisierte damit den Umbruch von kunstvoll kontrapunktischer...
Während der ganzen Aufführung steht die Bühne zentimetertief unter Wasser, dem Element von Leben und Tod. Kent Nagano hat seine Frackhose fast bis zum Knie hochgekrempelt, um den Applaus mit den Darstellern entgegenzunehmen. Er scheint sich über den Beifall fürs Regieteam, für die Sänger, allen voran Michael Volle als stimmgewaltiger Wozzeck, zu freuen. Das...
Hans Pfitzner ist durch Ingo Metzmachers Aufführung der Eichendorff-Kantate «Von deutscher Seele» (1921) mit ihrem völkisch dröhnenden Schluss «Fass das Steuer, lass das Zagen» am Nationalfeiertag wieder als unverbesserlicher Antisemit, Nazi-Sympathisant und Reaktionär ins Gerede gekommen. Die harfenumrauschte Elfen-Oper «Die Rose vom Liebesgarten» (1901) nötigt...
