Die unbequeme Gattung

Gibt es eine Renaissance der Operette? Überlegungen zu einer zeitgemäßen Aufführungspraxis

THALIA: Ich habe für dein Theater ein neues Kunstgenre ersonnen – die Operette...
MAEANDROS: Was ist das?
THALIA: Die Operette – das ist so eine Sache in drei Akten, wo die Damen
bei Musikbegleitung ihre Beine und Muskeln sehen lassen.

Aus: Vorspiel zu «Der Göttergatte»
von Viktor Léon und Leo Stein, Musik von Franz Lehár

 

Wieder einmal soll es nur ein Scheintod gewesen sein. Wieder einmal – zum wievielten Mal bloß? – jubeln die, dies es schon immer besser wussten. Nämlich dass sie lebt, die Operette.

Besser lebt, anders lebt, historisch informierter lebt. «Gibt es eine Renaissance der Operette?», fragte die Deutsche Presseagentur im Juli in einem Korrespondentenbericht und wollte das «kleine Revival» der Gattung an der hauptstädtischen Theaterlandschaft festmachen. Wo Intendant Barrie Kosky an der Komischen Oper Paul Abrahams «Ball im Savoy» (1932) herausbrachte und Herbert Fritsch Paul Linckes «Frau Luna» (1899/1922) an der Volksbühne auseinandernahm (siehe OW 08/2013). Zwei Operetten, eng verbunden mit der Berliner Theatergeschichte, beide zunächst erfolgreich, dann aus den Spielplänen gerutscht, wobei die Gründe höchst ­unterschiedlich sind und nicht allein etwas mit der Qualität ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Operette, wohin?, Seite 88
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
«Shakespeare war Entertainer!»

Herr Kosky, wo haben Sie denn Ihren Hund gelassen? Der ist doch eigentlich immer dabei, wenn Sie nicht gerade in einer Vorstellung sitzen oder eine Premiere haben?
In einer Hundepension in Amsterdam. Ich probe zur Zeit an der Nederlandse Opera Glucks «Armide».

Wie bitte? In einer Pension?
Ja, natürlich. Die gibt es in jeder Großstadt. Wenn ich mit dem Zug unterwegs...

Wichtige SängerInnen und Aufführungen des Jahres

Wichtige Sängerinnen und Sänger der Saison

Christian Gerhaher spricht singend und singt sprechend. Auf der Bühne nimmt er sich selbst gern zurück, scheint sich vollkommen mit Text und Tönen zu identifizieren. Vielleicht ist das der Grund, warum er so überzeugend erzählen, so natürlich bleiben kann. Natürlichkeit war eine Forderung Debussys an den Vortrag – und...

Nazis rein, Nazis raus

Braunhemden, Hakenkreuzbinden, Tod im Gas: Wenn das Grauen der NS-Vergangenheit auf der Opernbühne verhandelt wird, geht die Sache meist schief. Burkhard C. Kosminskis SS-«Tannhäuser» in Düsseldorf und der zwanghafte Hitlergruß von Bayreuths nächstem «Parsifal»-Regisseur Jonathan Meese sind aktuelle Beispiele dafür, wie die Ausstellung des Bösen (bzw. das Spiel...