Die Theatermacher sitzen vor der Bühne
Bevor wir «Idomeneo» in der Helmut-List-Halle hinter dem Grazer Hauptbahnhof besuchen, schauen wir im Kunsthaus Graz vorbei, der extraterrestrischen blauen Spenderniere am rechten Murufer. In der Ausstellung «Work and Play» zeigt dort der Foto- und Videokünstler Hans van der Meer bis Ende August Amateur-Fußballer Europas beim Spiel. Eine der Video-Szenen konzentriert sich auf einen Tormann beim Abstoß: grandiose Pose beim Anlauf im Halbkreis, dann mit gesteigerter Schrittfrequenz energisch auf den Ball zu. Schuss? Nein, ein Schüsschen, vielleicht zehn Meter weit. C’est la vie.
Den langjährigen Beobachter der Opernszene erinnert dies an manche Epigonen der Musiktheaterregie, denen es ähnlich erging wie dem Tormann in jenem Clip.
Dirigenten haben solche Missverhältnisse von (interpretatorischem) Anspruch und Ergebnis schon mal zum Vorwand genommen, sich selbst in den Regiestuhl zu hieven. Unbeeindruckt von der Tatsache, dass das Brennglas der Inszenierung bei gutem Gelingen eine zusätzliche, fruchtbare Perspektive auf ein Stück wirft, wollten sie «auf der Bühne das sehen, was sie dirigieren», wie Vorreiter Herbert von Karajan es ausdrückte. Nikolaus Harnoncourt beschränkt diese ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das wagemutige und entdeckungsfreudige Festival della Valle d’Itria hat im vergangenen Jahr zwei weitgehend unbekannte Nebenwerke von Pietro Mascagni und Umberto Giordano szenisch wiederentdeckt, die aus einer Zeit stammen, als sich beide Komponisten von ihren veristischen Anfängen längst losgelöst hatten. Die Mitschnitte auf CD, die jetzt bei Dynamic...
München leuchtete, wie Thomas Mann mit süffisanter Euphorie notierte, oder zumindest: die Münchner Opernwelt, die seit jeher den Glanz liebt und den historischen Reichtum bewirtschaftet. Zwei stattliche Premieren der Bayerischen Staatsoper setzten im Zehn-Tage-Abstand charakteristische Akzente. Wobei insbesondere die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele – der...
Unter dicken Schichten von Baustaub liegt das Teatro Colón derzeit wie tot. Dem Zuschauerraum fehlt die Bestuhlung. Vom fünften Rang herab verhüllen Plastikplanen die alte Pracht. Die finstere Stille im größten und bedeutendsten Opernhaus Südamerikas indes täuscht. In Wirklichkeit ist das Gebäude offen. Was die vielen Musiker mit Instrumenten hier tun, wollen wir...
