Die Möglichkeit der Liebe
Arme Donna Leonora di Vargas: Ungeheuerlich die Macht des Schicksals, die an ihrer Seele frisst. Vom kleinen «h» hinauf bis zum zweigestrichenen «H» reicht das Leidpotenzial, das Verdi der weiblichen Hauptfigur seines Melodramma «La forza del destino» in die Partitur hineingeschrieben hat. Was die Angelegenheit verkompliziert, ist die Tatsache, dass sich innerhalb der Tessitura nicht eben selten Sprünge finden, die den kurvenreichen Leidensweg dieser vergeblich liebenden Frau in Musik fassen.
In wenigen Momenten schwankt das Gefühl der Leonora vom Zu-Tode-betrübt-sein bis zur himmelhoch jauchzenden Freude.
In Brüssel ist Eva-Maria Westbroek diese Leonora. Sie gibt ihr Rollendebüt als Don Alvaros (keusche?) Gespielin. Liest man das Libretto von Francesco Maria Piave, man könnte ins Grübeln geraten über die Frage, wer diese Frau eigentlich ist, die den Weg aus der irdischen Verdammnis zum religiösen Unschuldsfeld so kühn beschreitet. Sieht und hört man Eva-Maria Westbroek, ist die Frage rasch beantwortet. Ihre Leonora mag verzweifelt sein aufgrund der tragischen Ereignisse um sie herum, doch unentschlossen ist sie nie. Sie wählt den Weg in die Einsamkeit der Einsiedelei bewusst. Die ...
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Kristina Wuss, Berghaus- und Konwitschny-Schülerin, hat Oscar Wildes einstiges Skandaldrama gegen den Strich gelesen. Sie entziffert in Strauss’ Vertonung der Begegnung der morbiden Kindfrau mit dem asketischen Propheten zu Recht eine psychologische Introspektion. Bei ihr ist Salome keine wahnsinnige Mänade, sondern ein junges Mädchen, das in einer aus den Fugen...
Das wagemutige und entdeckungsfreudige Festival della Valle d’Itria hat im vergangenen Jahr zwei weitgehend unbekannte Nebenwerke von Pietro Mascagni und Umberto Giordano szenisch wiederentdeckt, die aus einer Zeit stammen, als sich beide Komponisten von ihren veristischen Anfängen längst losgelöst hatten. Die Mitschnitte auf CD, die jetzt bei Dynamic...
Mrs Joshua, in Robert Carsens Produktion von Händels «Semele» haben Sie das berühmte «Oh sleep, why dost thou leave me» nackt gesungen. Hat Sie das Überwindung gekostet?
Einfach war das für mich nicht. Schließlich ging ich in dieser Szene völlig nackt zur Seitenbühne ab, wo immer eine Menge Leute standen und glotzten. Aber in der Situation war es einfach...
