Die Schatzinsel
Es ist einer dieser milden Frühlingstage, früher Abend. Im Dreieck zwischen der Avenida Canarias, dem Calvo Sotelo und der Calle Lentini am Rande des Barrio Histórico Triana fließt der Verkehr träge und entspannt dahin. Dominiert wird das Bild von den gelben Bussen, die sich an der Küstenstraße aufreihen und die letzten Strandgäste einsammeln. Vom Atlantik weht eine erfrischende Brise herüber, das Klima auf Gran Canaria ist gerade zu dieser Zeit äußerst angenehm, zumal sich immer wieder mal zarte Wolken ineinander verknäueln, um die direkte Sonneneinstrahlung zu filtern.
Nur auf Kunst deutet jetzt, kurz nach sieben, beinahe nichts hin, sieht man von einigen elegant, mit lässigem Schick gekleideten Damen ab, die sich dem Teatro Pérez Galdós nähern, und auch von jenem Mann, der, beinahe unbeachtet und gleichsam als steinerner Gast, draußen vor der Tür des Opernhauses steht: Camille Saint-Saëns ist es, der französische Komponist, dessen Büste den ansonsten wenig pittoresken Platz verschönert und den Gast darauf verweist, dass Musik hier schon vor fernen Zeiten einmal eine bedeutende Rolle gespielt hat. Noch aber ist davon nichts zu sehen, nichts zu spüren.
Vier Stunden später, nach ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Reportage, Seite 58
von Jürgen Otten
Im Wien des malerischen Goldgrunds finden wir uns auf diesem Album, spüren das besondere Flair des Fin de Siècle von Klimt und Schiele, Schnitzler und Freud. Und auch jenes von Alma Mahler, jener Frau, die dieses Wien lebte wie kaum eine andere. Eine Hochbegabte, die aufgrund der damaligen fest verfügten Geschlechterordnung ihr musikalisches Talent zunächst kaum...
Musikgeschichte kann auf seltsame Weise ungnädig sein. Bei Komponisten etwa, die in der Popularitätslotterie ihrer Zeit reüssierten, dadurch ihren Nachruhm gesichert wähnten, und sich heute bestenfalls als Randnotiz des Repertoires wiederfinden. Felix Weingartner (1863–1942), als gefeierter Dirigent einst Nachfolger Gustav Mahlers im Amt des Wiener...
Das Werk ist unzeitgemäß […] Ich kann, was ich will, aber sie verstehen es nicht», erklärte Franz Schreker so schroff wie selbstbewusst, als seine Oper «Der singende Teufel» 1928 bei ihrer Uraufführung durchfiel. Die Kürzungen, die er vornahm, machten es nicht besser. Die einzige Wiederaufnahme nach 1945, John Dews Bielefelder Inszenierung 1989, strich das sperrige...
