Trilogie des Wiedersehens
Musikgeschichte kann auf seltsame Weise ungnädig sein. Bei Komponisten etwa, die in der Popularitätslotterie ihrer Zeit reüssierten, dadurch ihren Nachruhm gesichert wähnten, und sich heute bestenfalls als Randnotiz des Repertoires wiederfinden. Felix Weingartner (1863–1942), als gefeierter Dirigent einst Nachfolger Gustav Mahlers im Amt des Wiener Hofoperndirektors, zählt zu diesen. Das gänzliche Verschwinden seines Œuvres von den Spielplänen hat Gründe. Fast möchte man meinen, die Schicksalsgöttinen selbst hätten ihre Fäden im Spiel.
Moiren heißen sie in der griechischen Mythologie; um deren Schwestern, die Erinnyen, geht es wesentlich in Weingartners «Orestes», das 1902 seine Uraufführung in Leipzig erlebte. Verhandelt wird in diesem Musikdrama – frei nach Aischylos – der Plot von Richard Strauss’ sieben Jahre später erschienenen «Elektra», allerdings mit angeschlossenem Pre- und Sequel.
Es ist das Verdienst des Theaters Erfurt, Weingartners Werk nun aus jener Versenkung zu heben, in die es seinerzeit der Siegeszug der ungleich radikaler tönenden «Elektra» befördert hatte (die bis dahin letzte dokumentierte Aufführung des «Orestes», am Neuen Deutschen Theater Prag, datiert auf ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Werner Kopfmüller
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