Chapeau!
Trotz Nellie Melba und Joan Sutherland gilt das Land der Kängurus und Koalas in Europa nicht gerade als Eldorado des Musiktheaters. Die Fähigkeiten der Pinchgut Opera aber dürften sich inzwischen herumgesprochen haben: Die private Kompanie präsentiert seit ihrer Gründung 2002 alljährlich die vollszenische Produktion einer Oper aus dem 18. Jahrhundert und stützt sich dabei auf das unter der inspirierenden Leitung Antony Walkers kompetent und klangvoll auf historischen Instrumenten spielende Orchestra of the Antipodes.
Schon nach wenigen Minuten sind wir gebannt vom musikalischen Drive und dramatischen Atem dieser Live-Aufnahme von Glucks letzter Reformoper «Iphigénie en Tauride» (siehe auch OW 2/2015). Walker akzentuiert die ausdrucksstarke Gebärdensprache von Glucks klassizistischer Größe. Gleich in der einleitenden Sturmszene zeigt er, wie vollblütig, ja theatralisch er diese strenge Musik zu verlebendigen versteht. Er findet aber auch Zugang zur sublimen Empfindsamkeit und herben Menschlichkeit, die unter der Oberfläche dieses Dramas glühen. Nicht zuletzt weiß er die Rezitative mit Spannung zu erfüllen. Dabei kann er sich, neben dem präzise und klangschön agierenden Cantillation ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert
Die Cottbuser können sich beim Betriebsrat des Hallenser Opernhauses bedanken. Der hat ihnen nämlich Martin Schüler in die Arme getrieben. «In der DDR gab es ja die Absolventen-Einsatzkommission», erzählt der 1958 geborene und an der Berliner Eisler-Hochschule ausgebildete Regisseur. «Nach dem Studienabschluss musste man eine Prüfung ablegen und wurde dann einem...
Mitunter relativieren Opernausgrabungen ein wenig das Licht, in dem historisch benachbarte Giganten glänzen. Zu den verkannten Tonschöpfern gehört der böhmische Komponist Florian Leopold Gassmann. Ab 1763 als Nachfolger Christoph Willibald Glucks am Wiener Hof, war er hörbar ein Vorarbeiter Mozarts. Doch im Gegensatz zu den beiden Kollegen ist der fähige Gassmann...
Wand an Wand, direkter geht Konkurrenz nicht in der Royal Arcade mit ihrem weißen, viktorianischen Holzstuckwerk. Links, bei «Rino and Company», bekommt es der Herr für 15 Pfund gemacht, die Dame – Waschen, Schneiden, Legen – für 28,99. Kein Mensch da, die beiden Friseurinnen schauen gelangweilt durchs Schaufenster nach draußen. Vielleicht, weil beim Kollegen...
