Rituelle Schönheit

Glass: Satyagraha Oldenburg / Staatstheater

Opernwelt - Logo

Liest man die Aufführungsstatistik des Deutschen Bühnenvereins – unter den 50 meistgespielten Opern ist keine einzige jüngeren Entstehungsdatums –, bestätigt sich die Binsenweisheit, dass es Zeitgenössisches im heutigen Musiktheater schwer hat. Tatsächlich aber machen viele Häuser durchaus ihre Hausaufgaben. Das gilt auch für die norddeutschen Bühnen. Ob Flensburg, Lübeck, Hamburg, Bremen, Oldenburg oder Bremerhaven: Neues und Neuestes hört man mit schöner Regelmäßigkeit (meist einmal pro Spielzeit), wenngleich die Qualität der Werke naturgemäß nicht immer überzeugt.



So war die minimalistische Oper «Satyagraha» von Philip Glass, auf die man sich jetzt in Oldenburg besann, in den Jahren nach ihrer Uraufführung 1980 in Rotterdam höchst umstritten. Konnte es wirklich der Weisheit letzter Schluss sein, der fürs Publikum unbequemen Avantgarde, ihrer Atonalität und ihren Dissonanzen, eine Musik der «neuen Einfachheit» entgegenzusetzen? Die Tonwiederholungen und rhythmischen Floskeln in Endlosschleife, die Dauerberieselung mit Dreiklängen und anderen harmonischen Grundbausteinen? Die Kritik reagierte eher abweisend – so Kurt Honolka, der anlässlich der Deutschen Erstaufführung von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Was fühlt ein Mörder?

Es gibt Partituren, die nach ihrer Uraufführung vergessen werden, im Strudel der Gezeiten untergehen und am Ende nurmehr eine Fußnote wert sind. Umso hellhöriger wird man, wenn im ausgehenden 17. Jahrhundert selbst Jahrzehnte nach einer Premiere noch über deren sensationellen Erfolg berichtet wird. Mag dies der Kompilationssucht der Zeitgenossen geschuldet sein,...

CLASH: Peter Sellars' Bearbeitung von Purcells «The Indian Queen»

Henry Purcells «Indian Queen» ist ein Fragment. Nicht, weil der Komponist diese Form kultivieren wollte, sondern weil er, ein Frühvollendeter wie Mozart, vor der Zeit starb. Auf jeden Fall trägt, was von diesem Stück erhalten blieb, keinen ganzen Abend, allenfalls fünfzig Minuten Musik sind überliefert. Also stutzten wir, als wir die Hülle dieses Mitschnitts aus...

Schlüssig, ausgewogen

Schon ein Jahr nach der Uraufführung kamen Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites» 1958 im Teatro Nacional de São Carlos heraus – zunächst auf Italienisch. 1970 spielte man das Stück dort erstmals in der französischen Originalfassung. Nun, nach 45 Jahren, erfuhr der Dreiakter in Lissabon eine weitere Neudeutung – mit ausnahmslos portugiesischen Sängerinnen und...