Rituelle Schönheit
Liest man die Aufführungsstatistik des Deutschen Bühnenvereins – unter den 50 meistgespielten Opern ist keine einzige jüngeren Entstehungsdatums –, bestätigt sich die Binsenweisheit, dass es Zeitgenössisches im heutigen Musiktheater schwer hat. Tatsächlich aber machen viele Häuser durchaus ihre Hausaufgaben. Das gilt auch für die norddeutschen Bühnen. Ob Flensburg, Lübeck, Hamburg, Bremen, Oldenburg oder Bremerhaven: Neues und Neuestes hört man mit schöner Regelmäßigkeit (meist einmal pro Spielzeit), wenngleich die Qualität der Werke naturgemäß nicht immer überzeugt.
So war die minimalistische Oper «Satyagraha» von Philip Glass, auf die man sich jetzt in Oldenburg besann, in den Jahren nach ihrer Uraufführung 1980 in Rotterdam höchst umstritten. Konnte es wirklich der Weisheit letzter Schluss sein, der fürs Publikum unbequemen Avantgarde, ihrer Atonalität und ihren Dissonanzen, eine Musik der «neuen Einfachheit» entgegenzusetzen? Die Tonwiederholungen und rhythmischen Floskeln in Endlosschleife, die Dauerberieselung mit Dreiklängen und anderen harmonischen Grundbausteinen? Die Kritik reagierte eher abweisend – so Kurt Honolka, der anlässlich der Deutschen Erstaufführung von ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhart Asche
Mit ungeheurer Brutalität steigt Verdi in seinen «Otello» ein, mit Lärm statt Wohllaut: Donner, Blitz, sturmgepeitschtes Meer. Otellos Segelschiff steht kurz vor dem Kentern, die Leute im zyprischen Hafen sind panisch oder zynisch, wie Jago, der von Anbeginn die Fäden für den Untergang des venezianischen Generals und seiner Frau Desdemona spinnt.
Von äußerem...
Nicht alles, was auf den ersten Blick glänzt, ist von bleibendem Wert. Und nicht alles, was zunächst trübe wirkt, bleibt dauerhaft im Schatten. Als die Deutsche Oper Berlin 2012 «Jenufa» herausbrachte, überwogen gemischte Gefühle (siehe OW 4/2012). Dirk Beckers aseptisch leerer Weißraum, in dem Christof Loy die Tragödie ganz aus dem inneren Drama der Küsterin...
Dieser Name: Johannes Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt. Er will so gar nicht passen zu dem Mann, der von der Titelseite dieses Heftes ins Weite schaut. Dass er aus einem alten österreichischen Adelsgeschlecht stammte, war ihm so gleichgültig wie alles, was nach Konvention und Etikette roch. Ausgebeulte Hose, Gummistiefel, ein viel zu großer...
