Die reine Poesie
Drei Schwestern: Undine, Rusalka, Melusine. Sämtlich entstammen sie der Märchenwelt und gelangen, um ihr Glück zu finden, zu den Menschen; sämtlich scheitern sie an dem, was Menschsein ausmacht. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen von der Liebe, vom Leben und davon, was Natur bedeutet. Das erkannte auch Yvan Goll, als er Anfang der 1920er-Jahre den mittelalterlichen Stoff in eine zeitkritische Parabel verwandelte. Anders aber als in den Zauberopern von E. T. A.
Hoffmann und Dvořák ist die Titelfigur seines Theaterstücks keine Nymphe, sondern eine fast normale junge Frau, die mit ihrem Wesen alle bezaubert und schließlich doch zugrunde geht. Melusine stirbt. Und mit ihr die Natur, die sie glaubte, beschützen zu können.
Im Bockenheimer Depot in Frankfurt liegt sie am Ende, vereint mit dem Grafen von Lusignan, auf einem kleinen Podest – Symbol für jenes Schloss, das er erbauen ließ, um an ihrer Seite zu sein, dafür aber –die Nähe zu Tschechows «Kirschgarten» ist evident – den gesamten Wald abholzen ließ. Jener flache weiße Ring, der den ganzen Abend hindurch damoklesschwertgleich in der Luft schwebte, hat sich auf Christoph Fischers sterile Rundbühne herniedergesenkt, aber mit ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Jürgen Otten
Für Jewgenij Mrawinski, den ruhmreichen russischen Dirigenten, der seine Symphonien auswendig im Kopf hatte, war er ein «naiver Ritter mit der edlen Seele». Ein Mensch, der vom allgemeinen Glück träumte, Gewalt in jeder ihrer Formen abgrundtief hasste und bereit war, alles dafür zu opfern, um das soziale Übel auszurotten. Ein Idealist also, der in seiner Kunst aber...
JUBILARE
Am 25. August feiert José van Dam seinen 85. Geburtstag. Der belgische Bass-Bariton zählt zu den prägenden Männerstimmen des 20. Jahrhunderts. Sein Golaud in Debussys «Pelléas et Mélisande», der Hans Sachs (er nahm die «Meistersinger» mit Georg Solti auf) sowie prägnante Interpretationen mehrerer Mozart-Rollen sind beispielhaft. Für seinen Kollegen...
Den Begriff kennen wir aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anno 1649 verfasste René Descartes seinen legendären Tractatus logicus «Les Passions de l’âme» (Die Leidenschaften der Seele) und legte damit ein Traktat vor, das, wiewohl nur subkutan, erhebliche Wirkung vor allem auf jene Kunstform ausübte, die sich a priori glänzend eignete für diesen prekären...
