Passions de l'ame
Den Begriff kennen wir aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anno 1649 verfasste René Descartes seinen legendären Tractatus logicus «Les Passions de l’âme» (Die Leidenschaften der Seele) und legte damit ein Traktat vor, das, wiewohl nur subkutan, erhebliche Wirkung vor allem auf jene Kunstform ausübte, die sich a priori glänzend eignete für diesen prekären Menscheninnenraum: die romantische Oper.
Deren Bühne ist prall gefüllt mit liebenden Leidenden wie leidenden Liebenden (je nach Perspektive und Gewichtung), mit verwundeten Wesen, die der Welt einfach nicht mehr gewachsen sind, weil ihr Herz allzu bleiern beschwert wurde. Einer von ihnen ist Goethes Werther, und wenn Jules Massenet ihm in der fis-Moll-Arie «Toute mon âme est là! Pourquoi me réveiller» aus dem dritten Akt des gleichnamigen Musikdramas die Singanweisung «avec une tristesse inspirée» in die Noten schreibt, dann ist die Nähe zur cartesianischen Lehre fast schon evident. Hier ist jemand, der spürbar an seiner Sehnsucht zugrunde geht, dies aber mit der schönstmöglichen Musik zum Ausdruck bringt.
Jean-François Borras singt die Arie exakt so, wie der Komponist sie sich wünschte: mit tief empfundener Traurigkeit. ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Medien, Seite 38
von Virginie Germstein
Der Rhein ist in Grußweite. Ein paar hundert Meter weiter fließt die Mosel. Dazwischen das überdimensionierte Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck. Bei so viel malerischer Pracht geht das Theater Koblenz zwischen den herrschaftlichen Bauten irgendwie unter, eingepfercht zwischen prächtigen Fassaden – und erst recht, wenn das Gebäude, so wie jetzt, von mehreren...
GARSINGTON FESTIVAL L’elisir d’amore, Pique Dame, Rodelinda
Manche betrachten es als liebenswerte Marotte, andere halten den Brauch, sich am Nachmittag für den Besuch der beinahe wie Pilze aus dem Boden schießenden Landhausopern der britischen Sommersaison in Schale zu werfen, für einen absurden Anachronismus – noch dazu, wenn man für das Picknick in der langen...
Man hat ihn hierzulande fast ein bisschen vergessen, den freundlich schmunzelnden Herrn mit dem rundlichen Kahlkopf und dem kaukasischen Schnurrbart über dem Goldkettchen. Dabei war Gija Kantscheli (1935–2019) bis zu seinem Tod durchaus eine Berühmtheit: ein in den Westen versprengter Anti-Modernist, der – zusammen mit der jüngst verstorbenen Russin Sofia...
