Die Quadratur des Kreises
Wer bin ich? «Ich bin die Vielen» – in dieses philosophische Paradoxon soll der Maler Egon Schiele seine künstlerische Persönlichkeit gekleidet haben. Ähnliches hatte ein Anonymus als Graffito an die Berliner Mauer gesprayt: «Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?» Wir lasen dieses Zitat kürzlich in der «Neuen Zürcher Zeitung» – im Zusammenhang mit einem Bericht über die Cindy-Sherman-Show im New Yorker MoMA.
Denn Sherman inszeniert sich selbst stets als eine Andere, stellte sich als vielfältige und unzählige Frauentypen unterschiedlicher Herkunft und in allen Altersstufen dar, ein Spiel mit der Identität.
Auch bei Marlis Petersens neuem Recital mit Goethe-Liedern mag man an ein solches Spiel denken, wenngleich auf andere Weise. Aber auch hier fließen die Person der Sänge-rin und die Personen der auf der Hörbühne vorgeführten Frauenfiguren Goethes – Stella, Klärchen, Gretchen, Mignon & Philine, Suleika, Helena – ineinander. Für jede findet die Sopranistin eigene Farben, wechselt die akustischen Kostüme, versteckt sich freilich nicht dahinter, sondern lässt stets ihre große Persönlichkeit durchscheinen. Man mag in dem Zusammenhang auch an ihre Bühnenerfahrung als Lulu denken. Lulu ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Medien/CD und DVD, Seite 22
von Gerhard Persché
Herr Nelsons, warum dirigieren Sie am liebsten Repertoirevorstellungen?
Ich bin auch für neue Produktionen zu haben, aber sie sind oft zu zeitraubend. Außerdem kommt die Musik dabei vielfach nur an zweiter Stelle. Das sage ich, obwohl ich in Bayreuth sehr gute Erfahrungen mit Hans Neuenfels gemacht habe. Ein cleverer Mann, der Provokationen nicht aus Unkenntnis,...
Der Prolog gehört zwei Jägern. Gamsbartfedernd reißen sie auf Bayerisch ihre Judenwitze, später trägt der Chor noch drohend Transparente an die Rampe, die ein Judenverbot für den deutschen Wald fordern. Und dann ist es auch schon wieder vorbei mit der Aktualisierung. Keine Antwort auf Veit Harlans unsäglichen Film ist der Abend, keine unverbrämte Problemwälzerei....
Dass (Opern-)Komponisten mit fortgeschrittenem Alter die Komik für sich entdecken, ist gar nicht selten. Verdis «Falstaff» ist sicher das bekannteste Beispiel. Doch auch Jules Massenet hat gegen Ende seiner Laufbahn mit «Panurge» (1911-1912 – posthum 1913 uraufgeführt) und zuvor mit «Don Quichotte» (1909) zwei komische Opern vorgelegt. Von der überbordend...
