Die pure Verheißung
Die trauen sich was in Bern! Erst einmal benennen sie das Theater um, in Bühnen Bern, was Sinn ergibt, da der alte, lange gültige Name (Konzert Theater Bern) so sperrig wie bürokratisch war. Dann engagiert der seit Beginn dieser Spielzeit amtierende Intendant Florian Scholz, der zuvor das Stadttheater in Klagenfurt durchaus gewinnbringend leitete, eine Opernnovizin für die größte Aufgabe, die das herkömmliche Musiktheater zu bieten hat, Wagners «Ring».
Und auch der neue Chefdirigent (und Co-Operndirektor), den Scholz von Klagenfurt mitbrachte, widmet sich dieser Aufgabe zum ersten Mal. Mutig! Aber eines kann man gleich sagen: Dieses «Rheingold», Auftakt des ersten «Ring»-Projekts überhaupt in Bern, ist die pure Verheißung.
Ewelina Marciniak wurde 1984 in Polen geboren, der australische Dirigent Nicholas Carter ist ein Jahr jünger. Marciniak arbeitet seit 2008 an den wichtigsten polnischen Theatern, inszenierte dort Stücke von Elfriede Jelinek, Roland Schimmelpfennig oder Nis-Momme Stockmann, also zeitgenössische deutschsprachige Dramen, adaptierte auch mal Michel Houellebecqs «Karte und Gebiet» für die Bühne. 2018 debütierte sie in Deutschland, 2020 erhielt sie den «Faust»-Preis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Egbert Tholl
Wenn man am Fuß der Eiger-Nordwand in den Berner Alpen steht, fragt man sich, wie jemand auf die Idee kommen kann, da hinaufzuklettern. 1.800 Meter senkrechter Fels. Und Eis. Weshalb man überhaupt klettert, erklärt Eduard Rainer im Stück. Es gehe darum, die Schwerkraft zu besiegen, zu schweben, den Boden zu verlassen, kein Mensch mehr zu sein. «Der Mensch ist...
Als es an deutschen Opernhäusern noch einen Repertoirebetrieb gab, in dem es üblich war, dass prominente Sängerinnen und Sänger nur an ein, zwei Abenden gastierten, da stellten sich manchmal – trotz kurzer Einweisungsproben – musikalische Sternstunden ein. Etwa wenn die Sopranistin Júlia Várady in den Achtzigern und Neunzigern in Hamburg in einer schon damals in...
Herr Humm, Sie waren bisher ein sehr hohes Lebenstempo gewohnt. Jetzt wurden seit fast zwei Jahren viele Ihrer Engagements abgesagt. Wie geht es Ihnen mit dieser Entschleunigung?
Schwierige Frage. Ich merke, dass man Dinge, die schnell gehen müssen, wieder verlernt, wie das Kofferpacken, weil es nicht mehr so häufig und wichtig ist wie früher. Die ganze...
