Die Opernachse Berlin-Bayreuth
Wie das von der Markgräfin Wilhelmine verantwortete Musiktheater aussah, sofern es nicht Opern eines Starkomponisten nachspielte, lässt sich an «L’Huomo» studieren. 1754 kam diese «Festa teatrale» im Markgräflichen Opernhaus heraus – eine Mischform, die Elemente der italienischen Opera seria ebenso aufgriff wie der französischen «Fête en Musique». Von Wilhelmine wurde sie vor allem geschätzt, weil sie dramaturgische Freiheiten ermöglichte.
Wilhelmine schrieb den Text in französischer Sprache, vom Bayreuther Hoflibrettisten wurde er ins Italienische übersetzt, zur Aufführung auch in einer deutschen Übertragung gedruckt. Doch das war der geringste Aufwand. Insgesamt kostete die Produktion von «L’Huomo» rund 20 000 Gulden, das heißt eineinhalbmal so viel wie der teure Sonnentempel samt Anbauten in der Eremitage.
Der Sonnentempel steht bis heute. An «L’Huomo» musste sich die Forschung erst langsam wieder herantasten. Auch wenn sich Ludwig Schiedermair bereits 1908 mit dem Theater der Markgräfin beschäftigte, so ist die kontinuierliche musikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihr doch neueren Datums. Nach einer Tagung in der 1990er-Jahren und einschlägigen Studien von Ruth ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Stephan Mösch
Nicht Falstaff gab den Helden an der Berliner Staatsoper, nicht Parsifal, Daniel Barenboim war es. An den neun Festtagen seines Osterfestivals stand der nie Ermüdende sieben Abende lang am Pult und dirigierte die Letztwerke Verdis und Wagners, je zweimal «Parsifal» und «Falstaff» – und wie zur Entspannung dazwischen im Konzert Mahlers Siebte (mit den Wiener...
Noch einmal bauscht der Vorhang zur Seite, und da stehen sie, jubelumbrandet, im Rosenregen: Gwyneth Jones, die erste Feldmarschallin, Brigitte Fassbaender, ihr Octavian, «Otti» Schenk, Jürgen Rose – eine Verbeugung vor dem Strauss-Dreamteam der 1970er-Jahre, eine Huldigung, bevor dieser «Rosenkavalier», Inszenierungsikone, lange von Carlos Kleiber dirigiert und an...
Karl Marx, eher bekannt als der ältere Mann mit Bart und grimmigem Blick, war unlängst als bohèmehafter, jugendlich-freundlicher Liebhaber ein Leinwandheld. Anlässlich seines 200. Geburtstags wird er demnächst denn auch in einer neuen Oper von Jonathan Dove figurieren. Grimmig oder freundlich? Man ist gespannt, wie sich «Das Kapital» oder wenigstens das...
