Die Nackten und die Toten
Dieses Bild ist nichts für zarte Gemüter. Ein unwirtlich-steriles Krankenhauszimmer in trübem Grauweiß, gerade mal zwei Meter hoch, vollgestellt mit Gerätschaften. Mittendrin ein schmales Bett, darin, mit dem Tropf verbunden, eine Schlafend-Träumende: Ophelia. Halb weilt sie, von Horatio, dem treuen Freund, behutsam bewacht, noch unter den Lebenden, halb liegt sie schon im Todeskampf, Szenen aus ihrem zurückliegenden Leben imaginierend. Während sie es tut, quetschen sich von den Seiten all jene Geister in den Raum, die sich schuldig gemacht haben an ihr, an ihrer Liebe zu Hamlet.
Lauter schwankende Gestalten aus einer verblichenen (Unter-)Welt, wahnhaft in ihrer Erscheinung, irre in ihrem Tun, grotesk verzerrt in den (von Bühnenbildner Fabian Liszt ersonnenen) Videoprojektionen. Und umgeben von einer Musik, die schon fast keine Musik mehr ist. Vielmehr ein anarchistisch wucherndes Amalgam aus herben, zerrissenen Klängen, hintergründig pochendem Puls, scharfkantigen, knarrend und quietschend aneinanderreibenden, elektronisch generierten Geräuschen. Grobschlächtig und massiv ist dieser Klangrausch – und in gewisser Weise selbst schon durchgedreht.
«Ophelia» von Sarah Nemtsov auf ein ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich weine nicht viel in der Oper, das ist abhängig vom Stück und von den Sängern. Wenn sie mit wahren Emotionen und aus ihrer tiefsten Seele singen, kann ich weinen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Auf jeden Fall in Südafrika, in meiner Heimatstadt Kroonstad oder Bloemfontein, weil es die Hauptstadt unserer Region ist.
Als Frau auf die Welt zu kommen sei «die größte Strafe», sagt Amelia in Federico García Lorcas Schauspiel «Bernarda Albas Haus». Es ist die letzte unter den großen Frauentragödien des 1936 von den Faschisten ermordeten spanischen Dichters, die sämtlich von der Unterdrückung weiblicher Sexualität, von der verwehrten Erfüllung weiblicher Liebe in einer archaischen...
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