Die Nackten und die Toten
Dieses Bild ist nichts für zarte Gemüter. Ein unwirtlich-steriles Krankenhauszimmer in trübem Grauweiß, gerade mal zwei Meter hoch, vollgestellt mit Gerätschaften. Mittendrin ein schmales Bett, darin, mit dem Tropf verbunden, eine Schlafend-Träumende: Ophelia. Halb weilt sie, von Horatio, dem treuen Freund, behutsam bewacht, noch unter den Lebenden, halb liegt sie schon im Todeskampf, Szenen aus ihrem zurückliegenden Leben imaginierend. Während sie es tut, quetschen sich von den Seiten all jene Geister in den Raum, die sich schuldig gemacht haben an ihr, an ihrer Liebe zu Hamlet.
Lauter schwankende Gestalten aus einer verblichenen (Unter-)Welt, wahnhaft in ihrer Erscheinung, irre in ihrem Tun, grotesk verzerrt in den (von Bühnenbildner Fabian Liszt ersonnenen) Videoprojektionen. Und umgeben von einer Musik, die schon fast keine Musik mehr ist. Vielmehr ein anarchistisch wucherndes Amalgam aus herben, zerrissenen Klängen, hintergründig pochendem Puls, scharfkantigen, knarrend und quietschend aneinanderreibenden, elektronisch generierten Geräuschen. Grobschlächtig und massiv ist dieser Klangrausch – und in gewisser Weise selbst schon durchgedreht.
«Ophelia» von Sarah Nemtsov auf ein ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten
Marta Gardolińska liebt das offene Wort. Bemerkenswert und rasant seien die Veränderungen im Musikgeschäft – anregende #MeToo-Debatten, neue Regeln über Parität an Opernhäusern, vor allem in Skandinavien, Fellowships für Dirigentinnen, von denen auch sie profitiert habe – mit einem Wort: Die Tore seien plötzlich offen gewesen, gerade in Frankreich, wo binnen...
P = Premiere ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
Hier finden Sie alle Termine (Premieren sowie Repertoirevorstellungen) der Opernhäuser in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Von den anderen Häusern (Grenzländer zu Deutschland sowie Italien und ein paar andere) bilden wir jeweils...
Nach einem launigen Versicherungsvertreter klingt der Name – oder nach Sparkasse, ein bisschen auch nach Max Mustermann. Doch Hermann Ludwig Müller ist ein garstiger Zeitgenosse. Mischt sich ständig ein in die Handlung, bedrängt die Figuren, zitiert Deutsches aus allen Literaturgewichtsklassen, zündelt, ist zynisch. Einmal schreit Müller in der virtuosen...
