Die Last der Geschichte
Volles Haus in Zürich. Das Opernhaus dort hat Platz für 1150 Zuschauer, 900 dürfen nun rein, die Gesichtsmasken allerdings muss man auch während der Vorstellung tragen. Nur: Das Orchester ist nicht da. Die Philharmonia Zürich nimmt im Orchesterprobenraum Platz, ebenso der Chor. Dieser ist einen Kilometer vom Opernhaus entfernt, die Live-Übertragung erfolgt über Glasfaserkabel, worüber ein kurzes Video informiert. Das Publikum im Opernhaus spendet fröhlich Auftrittsapplaus, die Musiker grinsen.
Eine großartige Idee! Mit Wahrung der Abstandsregeln wäre im Graben nie und nimmer genug Platz für ein Orchester der Größe, die Modest Mussorgskys «Boris Godunow» verlangt. So aber kann in voller Besetzung gespielt werden. Die Anlage überträgt den Klang sehr plastisch, man hört die Orchesteraufstellung, links die Geigen, rechts die Celli – über weite Strecken vergisst man völlig, dass man nur der Musik aus den Boxen lauscht, zumal die Synchronisation mit dem Geschehen auf der Bühne fast makellos funktioniert. Dazu modelliert Kirill Karabits den Klang äußerst wach und aufmerksam; nur in den großen Massenszenen vermisst man den Druck, das Brachiale, den diese Musik haben kann – man spielt ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Egbert Tholl
Die Güte Gottes? Scheint unermesslich. Zumindest in dieser Geschichte aus dem ersten Buch Mose, die mit größtmöglicher Empathie das Schicksal einer jüdischen Familie schildert. Deren Oberhaupt, der greise Tobit, gerät, weil er tote Israeliten bestattet, mit den herrschenden Assyrern in Ninive aneinander und erblindet. Auch Sara, die Tochter eines Verwandten,...
Es liegt wohl nicht nur daran, dass eine der legendärsten Produktionen des Theatermagiers Robert Wilson vor genau 30 Jahren das Licht der Theaterwelt erblickte und deshalb gerade jetzt so häufig gespielt wird. Vielmehr kommt «Black Rider», Wilsons Adaption des «Gespensterbuchs» von Adolf Apel auf ein Libretto von William S. Burroughs mit der Musik von Tom Waits den...
Wie oft müsste man leben, um aus dem Tod klug zu werden?» Der Schriftsteller und Philosoph Elias Canetti formulierte diese Frage in seinen zahlreichen Schriften über den Tod, mit dem er haderte, den er am liebsten abgeschafft hätte – «wenn es ginge». Allein, es geht nicht. Bislang. Man weiß nicht, ob Andriy Zholdak ähnlich wie Canetti dem Tod den Krieg erklärt...
