Die Kraft des Leisen
I.
73 Meter unter der Erdoberfläche stehen wir, fröstelnd – und verstehen alles besser. Zu sehen ist nicht viel. Feuchte Felswände. Eine schwere Eisentür, wie zu einem Tresor. Gemauerte Sperren in diffusem Licht. Dahinter liegt die Grenze. Der schmale Tunnel, durch den wir – mit eingezogenem Kopf – hierher gekommen sind, wurde von Nordkorea aus gebaut. Alle paar Meter entdeckt man Simse für Sprengköpfe. Gedacht war der Tunnel als Schleuse, durch die innerhalb weniger Stunden Tausende von Soldaten nach Süden hätten vorstoßen können.
Er verläuft unter der vier Kilometer breiten, demilitarisierten Zone, die beide Teile Koreas trennt und auf der Erde bis heute unpassierbar ist. Wann er gebaut wurde, ist unklar. Entdeckt wurde er 1978, als Teil eines auf die südkoreanische Hauptstadt Seoul zulaufenden Stollensystems. Offiziell handelt es sich nach nordkoreanischer Darstellung um eine Kohlemine. Rein militärhistorisch betrachtet, ist dieser bizarre Ort ein Monument vergangener Zeiten. Kalter Krieg wird heute mit anderen Mitteln geführt. Dennoch ist er hier, tief unter der Erde, geradezu physisch spürbar. Südkorea hat aus dem unter seinem Territorium verlaufenden Abschnitt des Tunnels ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Reportage, Seite 86
von Stephan Mösch
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