Böse Pastorale
Nach dem Erfolg mit Molière/Lullys comédie-ballet «Der Bürger als Edelmann» und Lullys tragédie en musique «Cadmus et Hermione» haben der Dirigent Vincent Dumestre samt seinem Orchester Le Poème Harmonique und der Regisseur Benjamin Lazar mit der favola drammatica musicale «Egisto» von Pier Francesco Cavalli neuerlich ein Werk aus der Frühzeit der Oper auf seine heutige Theaterwirksamkeit überprüft. Und das einmal mehr in historisierender Anmutung.
Denn zu den alten Instrumenten, die das nur sparsam orchestrierte, 1643, im Todesjahr Monteverdis, an Venedigs erstem öffentlichen Theater San Cassiano uraufgeführte Werk begleiten, kommt eine Inszenierung, die nur warmes, diffuses Kerzenlicht als Beleuchtung verwendet, aber nicht sklavisch auf szenische Rekonstruktion bedacht ist. Herausgekommen ist eine so intime wie intensive Aufführung einer ungewöhnlich aggressiven, ja brutalen Pastorale, die spätere Gattungsgrenzen negiert, die vorführt wie frisch und experimentierfreudig das Genre in seinen Kindertagen noch war, und die zugleich in ihrer konzentrierten Musikalisierung aus dramatischen Rezitativen, kurzen Arien und instrumentalen Ritornellen den Zuschauersinn für Nuancen schärft. ...
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