Die Einsame und der Elefant
Ein sympathisches Lachen, eine fesche Frau: Die französische Operndiva Denise Duval, auch privat kein Kind von Traurigkeit, wurde die Muse eines Mannes, dessen Faible es angeblich war, splitternackt herumzutollen und sich dabei «wohlzufühlen, als würde er eine Mönchskutte tragen». So beschrieb Jean Cocteau den Komponisten Francis Poulenc. Ihn verband eine enge, aufgrund unterschiedlicher Veranlagung im Grunde aber rein platonische Freundschaft mit der Duval.
«La voix humaine», der von Poulenc in Musik getauchte Einakter Cocteaus, diese Einbahn-Telefonkonversation einer verlassenen Frau mit ihrem unsichtbaren (und unhörbaren) Ex-Liebhaber, war quasi ein gemeinsames Projekt der für ihr intensives erotisches Leben in wechselnden Konstellationen bekannten Diva und des in dieser Hinsicht stets von seinen Dämonen verfolgten Komponisten.
Poulencs 40-minütiges Seelendrama über Verlassenwerden und Einsamkeit ist eigentlich mit Orchester konzipiert; die hier vorliegende Kammerfassung für Stimme und Klavier wurde erstmals von Graham Johnson eingespielt (der die Erben des Komponisten dazu bewegen konnte, diese nicht für öffentliche Aufführungen vorgesehene Version freizugeben). Die Aufnahme ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Gerhard Persché
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