Die Einsame und der Elefant
Ein sympathisches Lachen, eine fesche Frau: Die französische Operndiva Denise Duval, auch privat kein Kind von Traurigkeit, wurde die Muse eines Mannes, dessen Faible es angeblich war, splitternackt herumzutollen und sich dabei «wohlzufühlen, als würde er eine Mönchskutte tragen». So beschrieb Jean Cocteau den Komponisten Francis Poulenc. Ihn verband eine enge, aufgrund unterschiedlicher Veranlagung im Grunde aber rein platonische Freundschaft mit der Duval.
«La voix humaine», der von Poulenc in Musik getauchte Einakter Cocteaus, diese Einbahn-Telefonkonversation einer verlassenen Frau mit ihrem unsichtbaren (und unhörbaren) Ex-Liebhaber, war quasi ein gemeinsames Projekt der für ihr intensives erotisches Leben in wechselnden Konstellationen bekannten Diva und des in dieser Hinsicht stets von seinen Dämonen verfolgten Komponisten.
Poulencs 40-minütiges Seelendrama über Verlassenwerden und Einsamkeit ist eigentlich mit Orchester konzipiert; die hier vorliegende Kammerfassung für Stimme und Klavier wurde erstmals von Graham Johnson eingespielt (der die Erben des Komponisten dazu bewegen konnte, diese nicht für öffentliche Aufführungen vorgesehene Version freizugeben). Die Aufnahme ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Gerhard Persché
Für manche wird er immer derjenige bleiben, der rabiat auf einen meuternden Zuschauer reagierte. Im Frühjahr 1982 war das, an der Bayerischen Staatsoper. Als der junge Mann den «Aida»-Applaus mit Buhs beschmutzte, eilte Nello Santi ins Parkett, um dem Störenfried eine Ohrfeige zu verabreichen. Der Hieb kostete den Dirigenten laut Gerichtsbeschluss 6000 Mark, nie...
Viereinhalb Jahrhunderte – wer vermag eine solche Zeitspanne zu fassen, mit lebendiger Geschichte zu füllen? Die Staatskapelle Berlin feiert 2020 den 450. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung. Als Kurbrandenburgische Hofkantorei bzw. Hofkapelle wurde sie im 16. Jahrhundert ins Leben gerufen, mit einer größeren Anzahl von Sängern und einer weit geringeren an...
alpha
03.04. – 20.15 Uhr
Missa Solemnis
BR Chor und Sinfonieorchester, ML: Gardiner
05.04. – 22.00 Uhr
Bach: Matthäuspassion
Live aus dem Herkulessaal, München
Chor des BR, ML: Dijkstra, S: Gauvin, Romberger, Schmitt, Prégardien, Nagy, Fredriksson
12.04. – 21.45 Uhr
Wagner: Tannhäuser
Münchner Opernfestspiele 2017, ML: Petrenko, I: Castellucci, S: Zeppenfeld, Vogt,...
