Atem der Tradition
Viereinhalb Jahrhunderte – wer vermag eine solche Zeitspanne zu fassen, mit lebendiger Geschichte zu füllen? Die Staatskapelle Berlin feiert 2020 den 450. Jahrestag ihrer ersten Erwähnung. Als Kurbrandenburgische Hofkantorei bzw. Hofkapelle wurde sie im 16. Jahrhundert ins Leben gerufen, mit einer größeren Anzahl von Sängern und einer weit geringeren an Instrumentalisten.
Mit dem heutigen großen, leistungsfähigen und vielfältig wirksamen Opern- und Sinfonieorchester hatte dieses eher bescheidene Ensemble eigentlich nichts zu tun – es begründete aber eine Tradition, auf die Berlin durchaus mit Stolz blicken darf. Unter den Kulturinstitutionen der Stadt ist die Staatskapelle jedenfalls eine der ältesten, und zudem eine, der es gelungen ist, über die Zeiten mit ihren unterschiedlichen politischen Konstellationen, tiefgreifenden Umbrüchen und mannigfachen Wandlungsprozessen hinweg Bedeutung zu bewahren und neue Relevanz zu gewinnen.
Über den ursprünglichen Klang lässt sich nur mutmaßen – selbst im 18. und 19. Jahrhundert, als die damalige Königlich Preußische Hofkapelle zu einem Orchester von europäischem Rang aufsteigt, ist eine Geschichte dieser Art nur wenig greifbar. Zu den ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Essay, Seite 52
von Detlef Giese
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Nach dem spektakulären Erfolg seiner Indianer-Oper «Il Guarany» an der Scala wurde der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes, der 1864 zum Studium nach Mailand gekommen war und dort bald in Kontakt mit der Gruppe der Scapigliati um Arrigo Boito trat, als ein potenzieller Nachfolger Giuseppe Verdis gehandelt, der sich nach der «Aida» zurückziehen wollte....
Smetana, ein «großer Komponist»? Als 21. Name hat der Außenseiter aus Litomyšl seinen Platz gefunden in der vor 39 Jahren begründeten Reihe des Laaber-Verlags. Für den im Dezember 2018 verstorbenen Hans-Klaus Jungheinrich war der Schöpfer der «Moldau» sehr wohl ein «großer Komponist». In zehn Kapiteln deutet er an, wie viel in der tschechischen Musik des 19....
