Die Augen rechts
Gespenstisch ist das. Weniger der Holländer selbst – eher, was sich in Balázs Kovaliks vieldeutig ironischer Inszenierung von Wagners Oper im Budapester Palast der Künste in den Chorszenen tut. In Reih und Glied, im Gleichschritt marsch, die Augen rechts, manche Gesten sind so hohl, dass ganze Völker darin Platz haben. Wimpel werden geschwungen, Nationalflaggen gehisst, norwegische zwar – doch jeder weiß, was gemeint ist. Starke Bilder voller Ironie, mit denen Kovalik auf den zunehmenden Nationalismus und Rechtsradikalismus nicht nur in Ungarn, sondern in ganz Europa reagiert.
Nach der Aufführung (beinahe zur Geisterstunde) zeigte man uns das Denkmal, das die ungarische Regierung vor Jahresfrist auf dem Budapester Szabadság tér, dem Freiheitsplatz, errichten ließ. Antiken-Kitsch, ein Tempel, Säulen, im Zentrum das Symbol Ungarns, der Erzengel Gabriel, von einem deutschen Reichsadler attackiert. Gewidmet den «Opfern der deutschen Besatzung» im Jahr 1944. Kritische Historiker sprechen von einer revisionistischen Neuformulierung der ungarischen Geschichte, die das durchaus aktive Mitwirken ungarischer Behörden am Holocaust leugnet. Einige Meter weiter, privat gesponsert, aber ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Gerhard Persché
Es ist etwas faul in der Serenissima. «Silenzio. Mistero», raunt der Chor. Nebelschwaden quellen aus schlierig-grauem Kunstmauerwerk. Fast bis zu den Knien steht das Wasser. Die Gondeln liegen fest vertäut. Der Palast-Container ist verschlossen. Das Innere: ein goldener Käfig. Die Tore öffnen sich nur, wenn Francesco Foscari, der zwischen Familie und Staatsräson...
Dieser Geist durchwehte ja nicht nur Cosimas Bayreuth. Ein Eishauch, der das Werk einfrieren lässt, das doch nie nur Niederschrift ist, sondern dank sich immer weiterentwickelnde Realisierungen als Gegenwart existieren muss. Veränderungen, andere Sichtweisen – alles Teufelszeug. Wagner, Brecht, lange ließe sich die Reihe der Schöpfer und ihrer orthodoxen Gralshüter...
ARD-ALPHA
2.8. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Strauss: Also sprach Zarathustra.
9.8. – 11.00 Uhr (1)
30.8. – 11.00 Uhr (2)
Colin Davis dirigiert
1. Berlioz: Symphonie fantastique; 2. Mendelssohn Bartholdy: Ouvertüre zu Sommernachtstraum; Symphonie Nr. 4 «Italienische».
9.8. – 20.15 Uhr
Open Air am Odeonsplatz.
Mariss Jansons im 3/4-Takt.
16.8. – 11.00 Uhr (1)
23.8. –...
