Die Anti-Diva

Mirella Freni als Adriana Lecouvreur und Fedora auf DVD

Opernwelt - Logo

Die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt hat durch ihren Darstellungsstil nicht nur die literarische Produktion ihrer Zeit wesentlich inspiriert, sondern auch auf die ita­lienische Oper einen großen Einfluss gehabt. Tosca, Fedora, Adriana Lecouvreur gehörten zu ihren erfolgreichsten Rollen. Ihr melodischer Sprechgesang machte deutlich, dass diese Stücke geradezu nach einer Veroperung schrien.

«Würde sie nicht so dekadent und künstlich spielen, nicht so kalkulierend und überbetont, dann wären wir tatsächlich in Tränen ausgebrochen», lästerte der einundzwanzigjäh­­rige Medizinstudent und angehende Dichter Anton Tschechow, als sie in Moskau gastierte. In der Sterbeszene der ­Fedora stellte die Diva gar einen neuen Parameter für Schauspielkunst auf: «Faire sa Sarah» galt fortan als Synonym für einen gekonnt gespielten Bühnentod.
Magda Olivero hat das Kunststück fertig gebracht, den Bernhardt-Stil und die mit diesem verbundene, vergangene Epoche auf der Opernbühne wiederaufleben zu lassen, aber sie hat bislang für ihr Repertoire keine adäquate Nachfolgerin gefunden, wobei Renata Scotto und Raina Kabaivanska, die mittlerweile auch schon siebzig sind, ihr noch am nächsten kamen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Platten, Seite 51
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Singen für die Idee

Ihr sängerisches Alptraumerlebnis hatte Ira Malaniuk 1951 in Bayreuth. Natürlich nicht als Magdalene in den «Meistersingern», für die sie von Wieland Wag­ner engagiert worden war und auf die sie sich bestens vorbereitet hatte. Sondern mit der «Rheingold»-Fricka, die zwar nicht zu ihrem Repertoire gehörte, die aber als Cover-Partie im Kleingedruckten ihres Vertrages...

Opernsprengmeister a. D.

Zur Feier des 80. Geburtstages von Pierre Boulez ist es ein Vergnügen, den «Spiegel» von 1967 (Nr. 40, 25. September) herauszusuchen. Schließlich ging dessen legendärer – einer redaktionellen Überspitzung entsprungener – Interview-Titel «Sprengt die Opernhäuser in die Luft!» in die Musikgeschichte ein. Was Boulez da sagte, ist nicht nur sehr unterhaltsam («Henze...

Zweisprachig

Süß, diese Schäfchen. Wirklich entzückend, wie sie da, inmitten der glanzvoll kostümierten und choreografierten Singspiel-Schar, auf ihren blauen Rollen unschuldig weiß übers Parkett gerollt werden und dabei ganz zärtlich und dumm ausschauen – was wiederum zu der an diesem vornehmen Orte erzählten, tränenrührenden Geschichte wunderbar passt: Denn was wäre ein...